Der Rheinische Hof bescherte mir ein Erlebnis, das ich mit Kontrastprogramm umschreiben möchte. Damit meine ich Gegensätze aber auch Widersprüche. Die Fassade des Gebäudes... mehr »
Radinn (187)
über sich
Die Kurzfassung über mich wäre: Ich bin kein Freund von Fast Food aber auch kein Anhänger von Slow Food. Das ist aber einerseits zu wenig und sagt andererseits nichts darüber aus, warum ich Restaurant-Kritik (Hotel-Kritik ebenso) zu einem Hobby von mir gemacht habe.
Dafür muß ich wohl zu den Anfängen zurückgehen - allerdings nicht bis Adam und Eva. Es ist ausreichend, daß ich beruflich sehr viel und primär im Ausland auf Dienstreisen unterwegs war. Besonders prägend war, daß ich ab Mitte der 90er Jahre fast 3 Jahre im Ausland an einem Ort war. Trotz häufiger und regelmäßiger Heimflüge war ich quasi Dauergast in einem Hotel (5-Sterne-Kategorie, wie die meisten Hotels meiner Dienstreisen). Dieser Aufenthalt machte mir bewußt, welche Kriterien wichtig sind, wenn ein Hotel zu einer 2. Heimat werden soll oder muß.
Es spielt letztlich keine Rolle, ob es ein 3-, 4- oder 5-Sterne Hotel ist, ob es ein Romantik-, Designer- oder normales Stadthotel ist. Für mich wurde der Service, die Behandlung des Gastes (Zimmernummer oder Person !!) von zentraler Bedeutung. Daran merkte ich, wie das Hotel geführt war, die Motivation der Mitarbeiter und letztlich: gibt es in dem Hotel eine Harmonie und hat es gewissermaßen eine Seele. An diesen Punkten kann man das Ganze letztlich festmachen. Wenn der Service nichts taugt, sieht es in den Zimmern über kurz oder lang analog aus und umgekehrt. Dies läßt sich auf Restaurants 1:1 übertragen, wie ich dann gelernt habe.
Und was soll das Ganze nun hier? Bei diesem Langzeitaufenthalt kannte ich - wie bei mir nicht anders zu erwarten - sehr bald das ganze Hotel inklusive Management bis zum Generaldirektor. Die häufigen Gespräche drehten sich sehr oft um das Hotelwesen wie Qualität, Klassifizierung, Service etc. ebenso wie Pleiten, Pech und Pannen einerseits und positive Erlebnisse andererseits. Dies führte dazu, daß ich für das Management des Hotels Bewertungskriterien aus Sicht des Gastes entwickelte, die vom üblichen Sternesystem abwichen und außerdem Fallstudien verfaßte, die im Rahmen interner Schulungen zur Ausbildung von neuen Mitarbeitern verwendet wurden. Auch später hatte ich weiterhin Berichte mit Bewertungen und Fallbeispielen für das Management erstellt. Das wurde dann zum Hobby von mir und zwangsläufig auf Restaurants übertragen.
Trotz dieser Erfahrungen und Erlebnisse ist es aber nicht dazu gekommen, daß meine Frau und ich nur noch in 5-Sterne Hotels absteigen und nur in Restaurants gehen, die mindestens 2 Michelin Sterne haben müssen. Ganz im Gegenteil. Der entscheidende Punkt für uns ist, daß wir eine Leistung bekommen, die wir erwartet haben und die andererseits dem von uns eingesetzten Geld gerecht wird. Wobei wir uns manchmal fragen, ob unsere Ansprüche nicht zu hoch sind. Aber so ist es nun einmal und so wird es auch bleiben, solange wir Restaurants und Hotels kennen oder finden, wo wir eine angemessene Leistung für unser Geld bekommen und wo wir den Aufenthalt genießen können. Und wenn es dabei Pleiten aus unserer Sicht gibt, die für andere Gäste kein Grund für einen verdorbenen Abend darstellen, ist das unser Problem, mit dem wir leben müssen.
So gehen wir sehr gern in urgemütliche und traditionelle Wirtshäuser (bayerisch, badisch usw.); so bei jedem Aufenthalt am Spitzingsee in die Alte Wurzhütte - uriger geht´s kaum mit typischer deftiger, regionaler Kost. Auf der anderen Seite genießen wir die Gerichte von Harald Wohlfahrt und Helmut Thieltges auf 3-Sterne - Niveau. Wenn uns aber der Leiter eines 3-Sterne-Restaurants untersagt, vom Teller der Begleitung zu probieren (wie geschehen), muß er uns nicht zusätzlich sagen, wir sollten nicht mehr wiederkommen - das wäre sowieso nicht passiert.
Oder wenn ein Restaurant-Besitzer sich als Meisterkoch mit einer Küche für Gourmets positioniert - mit entsprechenden Preisen natürlich - und dann Gerichte mit schlechter Qualität und handwerklichen Fehlern servieren läßt, die einem Lehrling nicht passieren dürfen, machen wir uns unsere Gedanken. Wenn dann gleichzeitig das Restaurant noch eine Weinbar besitzt und Wein-Verkostungen anbietet, der Oberkellner aber als Weinempfehlung von sich gibt: "Ich sage grundsätzlich nicht, ob ein Wein zum Essen paßt. Der Wein muß schmecken, aber jeder hat einen anderen Geschmack.", dann zieht es mir als Hobby-Sommelier (für die private Küche meiner Frau) die Schuhe aus. In solchen Restaurants waren wir dann gleich zweimal: zum ersten- und letztenmal.
Zusammengefaßt: Es muß nicht immer Kaviar sein - aber er schmeckt auch mit einem Löffel direkt aus einer großen Schüssel (erlebt). Ein anderer und besserer Leitspruch: Ein schön gedeckter Tisch ist Ausdruck einer ausgewogenen und gesunden Lebenseinstellung. Nach diesem Motto genießen wir die Kochkünste meiner Frau ebenso wie ein Gasthaus mit guter, bürgerlicher Küche oder ein Spitzenrestaurant.
Für die Bewertung bei RK ergibt sich daraus, daß die "5" wirklich ein ausgezeichnet ist auf der vollen Bandbreite und somit einem Niveau von 2 und 3 Sternen vorbehalten bleibt. Die "4" liegt entsprechend etwas niedriger, sollte aber mindestens einem Anspruch auf Sterne-Niveau gleichkommen. Die "3" steht dann entsprechend für gute Leistungen, die ambitioniert sein sollten und das Geld wert sind. Theoretisch kann damit der Service in einem 3-Sterne - Lokal bei entsprechender Leistung auch eine "2" bekommen. Umgekehrt wird es ein "normales Wirtshaus" bei mir (wohl) nicht schaffen, eine "5" zu bekommen für Küche und Service, auch wenn der Abend für uns ein "gefühltes ausgezeichnet" war. Dafür müßten bei RK ergänzende Kriterien und Kategorien eingeführt werden. Die Begründungen für die Noten werden aber hoffentlich aus meinen jeweiligen Kommentaren hervorgehen. Mein guter Wille sollte dann jedenfalls dort stehen.
Dank an Alle, die bis hierher gelesen haben ohne einzuschlafen. Sorry an Alle, die jetzt den Eindruck haben, ich hätte doch bei Adam und Eva angefangen. Es war aber nur die Geschichte mit dem Hölzchen und dem Stöckchen. Passiert bei mir leider häufiger. Nicht´s für ungut.
So bewertet
| Durchschnitt Essen | 3,53 |
| Durchschnitt Bedienung | 3,28 |
| Durchschnitt Ambiente | 3,73 |
| Durchschnitt Sauberkeit | 4,21 |
Freunde
Aktivitäts-Index
| Bewertungen | 178 |
| davon Erst-Beiträge | 61 |
| als hilfreich markiert | 73 |
| als gut geschrieben markiert | 102 |
| Kommentare | 834 |
| Freunde | 28 |
| Lieblingslokale | 11 |
| Fotos | 60 |
Beste Kritiken
Die La Vecchia Osteria befindet sich in einem Backsteingebäude in Leverkusen unmittelbar an der Kreuzung zweier Landesstrassen.. Das Haus wirkt im Umfeld der Nachbargebäude etwas fremd... mehr »
Das Restaurant des Hotel Daub hat für mich das Flair einer traditionellen gutbürgerlichen Speisegaststätte. Das Ambiente hat nicht unbedingt Höhepunkte, aber der Gast kann sich... mehr »
Statistik
Diese Seite wurde bereits 9925 mal aufgerufen.
Die Bewertungen von Radinn (187) wurden bereits 75783 mal gelesen.





