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21.01.2010 01:21 | von KurtMA (234) | Registriert seit: 22.10.2007 | Ort: Mannheim | Beiträge: 1603 | zuletzt aktualisiert von KurtMA (234) am 21.01.2010 01:24

Gerade zurück von einer Dienstreise nach Beirut, möchte ich hier etwas von meinen Erfahrungen mit der libanesischen Mentalität und Küche berichten.

Ich war sehr überrascht darüber, eine sehr prosperierende Metropole vorzufinden. Von zerstörten Gebäuden oder anderen sichtbaren Spuren der Kriege war praktisch nichts mehr zu sehen. Die Infrastruktur ist schon wieder sehr weit gediehen, allerdings gibt es praktisch keine öffentlichen Verkehrsmittel (nur Taxis).

Der Verkehr ist für Europäer einfach unglaublich. Wer denkt, Paris, Rom, Los Angeles oder New York wären in Sachen Verkehr spannend und / oder chaotisch, sollte mal nach Beirut kommen. Verkehrsregeln gibt es nicht, nur eine wird wirklich akzeptiert: Ständig hupen! Ampeln sind trotz des extremen Verkehrs kaum vorzufinden, beachtet werden sie eh nicht. Auch Einbahnstraßen haben nicht viel zu sagen. Auf Autobahnen ohne Standstreifen kommen einem Roller-Fahrer entgegen (natürlich meist ohne Licht). Spuren werden gar nicht erst aufgezeichnet, daran hält sich eh niemand.
In Kreuzungen muss man - unabhängig von Vorfahrt, Ampeln u.ä. - einfahren, bis ca. 10 cm vor dem anderen Fahrzeug. Interessanterweise gibt immer irgend jemand nach, es gibt also praktisch keine Unfälle und die kleinen Staus lösen sich von selbst auf. Ich würde das einmal als kreatives Chaos bezeichnen...

Die Stadt selber bietet eine ganze Menge. Leider hatte ich dafür nur wenig Zeit, zudem gab es meist Sintflut-artigen Regen. Höchst positiv überrascht war ich von meinen Erfahrungen mit der Gastronomie. In Ashrafieh, dem Luxus- und Bankenviertel, gibt es jede Menge von Restaurants. In einem großen Einkaufszentrum (ABC) direkt am Sassine Square gibt es eine Pizzeria, die wirklich extrem gut ist: Das Napoletana (in der obersten Etage, nahe beim Kino). In Mannheim (und nicht nur da) muss man lange suchen, um eine solch gute Pizza zu finden. Schön finde ich, dass immer ein großer Brotkorb und gutes Olivenöl als Appetithäppchen gereicht werden (manchmal auch eine Nussmischung). Für Deutsche Verhältnisse sind die Preise sehr angenehm, was dem Dollar-Kurs zuzuschreiben ist (hier zahlen Ausländer - und auch einige Einheimische - in Dollar).

Ich wurde in ein typisches Libanesisches Restaurant eingeladen, das Abdel Wahab.
http://www.ghiaholding.com/n%20pages/abdel%20wahab.html
Das hat sich inzwischen zu DEM Libanesischen Restaurant in Beirut gemausert. Nicht ganz billig, aber sehr typisch. Für mich sehr positiv: Die meisten Gerichte hier sind ohne Fleisch! Man bestellt ganz viele Kleinigkeiten, die dann gemeinsam gegessen werden. Hummus u.ä. was man aus Deutschland als eher fade Angelegenheit kennt, schmeckt hier richtig herzhaft.

Was ich nicht ganz so toll finde, ist der Umgang mit dem rauchen. Es ist "normal", dass überall geraucht wird. Nichtraucher-Bereiche? Fehlanzeige! In den letzten Jahren sind auch die Wasserpfeifen sehr in Mode gekommen, obwohl selbst die Einheimischen sagen, dass die besonders schädlich seien.

Insgesamt kann ich den Libanon als Urlaubsland nur empfehlen. Die Infrastruktur ist sicherlich noch ausbaufähig, aber die Menschen sind sehr freundlich und entgegenkommend (man kommt sehr schnell ins Gespräch). Das Land bietet sehr viele versteckte Schätze wie eine riesige Tropfsteinhöhle (Grotte de Jeita). Historische Stätten und Städte gibt es ebenfalls reichlich (u.a. Baalbek, Byblos, Sidon, Echmoun und Tripoli(s)). Die umliegenden Berge laden auch zum wandern ein, ein Fernwanderweg wurde gerade mit EU-Unterstützung angelegt.

Ach ja: Man sieht hier ziemlich viel Militär. Ich fragte nach und erfuhr, dass die Polizei sehr schwach ist. Das Militär übernimmmt teilweise deren Aufgaben, es gibt also keinen Grund zur Sorge!

Liebe Grüße,
Kurt

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