Erinnerungen, Erlebnisse, Kurioses - jenseits jeder Kritik

von Feline50 (20) | Zur letzten Seite springen | beobachten

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25.10.2011 22:13 | von Feline50 (20) | Registriert seit: 01.05.2011 | Beiträge: 45

Hallo zusammen,
ich möchte hier einen Strang erstellen, der sich mit interessanten und besonderen gastronomischen Erlebnissen beschäftigt, die aber auf Grund länger zurückliegender Zeit keinen Bezug mehr zu aktuellen Lokalen oder der Realität mehr haben. Hat nicht jeder einen Schwank aus jenen Tagen zu erzählen?

Als Einstiegsbeitrag (und ich hab noch ein paar Erlebnisse)
beginne ich mit einem Bericht über das Lokal:

"Zum dreckerten Schenkel".

Dieses Highlight der Bediengastronomie lag in den 70's vergangenen Jahrhunderts im Raum Dillingen a.d. Donau, ich glaube es was der Ortsteil Hausen. Damals ein Standort der Bundeswehr mit einem gefühlten Verhältnis von 99% zu 1% Bürger in Uniform vs. nativer Bevölkerung, aber das ist natürlich übertrieben. Zumindest der Begriff war damals dank "innerer Führung" cool.

Natürlich hieß das Lokal auch nicht so. Mag sein, das der wahre Name "zur grünen Au" oder "an der blauen Donau" lautete. Verabredet hat man sich aber in eben diesem, nun ja.

Der Umgangsname ist wohl darauf zurückzuführen, das man vermutete, das auch gewisse Dienstleistungen von der Tochter des Wirtes erbracht werden - was wohl eher der Phantasie der jungen Soldaten als der Realität geschuldet war.

Jedenfalls und ganz unvergessen ist jener Besuch an einem schönen Samstag im Sommer 1978 von meiner Frau und mir (ja, ich war damals schon geehelicht worden) wo uns auf unseren Wunsch nach 2 Bier und zwei Schnitzeln ganz offen von jener Wirtstochter mitgeteilt wurde:

"Könntet ihr bitte gleich bezahlen, dann kann ich schnell zum Dima (Tengelmann) fahren und schau, ob ich noch welche bekomme. "

Nett, Verbindlich, offen.

Das ist doch Service :)


Feline

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26.10.2011 08:26 | von x2x (15) | Registriert seit: 26.01.2011 | Beiträge: 284 | zuletzt aktualisiert von x2x (15) am 03.11.2011 09:30

Hier meine Story:

Es ist vielleicht 20 Jahre her, vielleicht etwas mehr, vielleicht auch 2, 3 Jahre weniger. Ich folgte einer Einladung zu einer Produktpräsentation im "kleinen Kreis" nach München. Gastgeber war ein japanischer Konzern. Nach der Veranstaltung ging es zurück ins Hilton-München. Für den Abend war ein Abendessen vorgesehen. Vorher erfolgte der Hinweis, dass die gemeinsame Busfahrt (wir etwa 20 Personen) dorthin eine gute Stunde dauern würde. Die Fahrt ging Richtung Salzburg. Nach deutlich mehr als einer Stunde erreichten wir - in sehr einsamer Lage - eines schickes Anwesen, kleines Schloß, vielleicht auch mehr eine Burg. Eben ein ehemaliger Fürsten-Landsitz, nahe der österreichischen Grenze. - Wir nahmen Platz in einem aufwendig gestalteten Raum und ein 6 Gang Menü (darf man inzwischen mit "ü" schreiben) wurde angekündigt. Bereits beim Betreten des Anwesens war erkennbar, dass das Schloß/die Burg nicht über eine Gastronomie verfügt. Daher musste man davon ausgehen, dass ein Catering erfolgte. Überlicherweise hätte man nun dort dann ein Buffet erwartet. Aber wie gesagt, ein 6 Gang Menü wurde serviert. Dazu ausgesuchte, exellente Weine. Bereits das Amuse Bush und die erste Vorspeise waren auffallend gut. Für mich deswegen so erstaunlich, weil ich das von einem Catering-Unternehmen nicht erwarte, selbst wenn es sich um einen hochwertigen Anbieter gehandelt hätte. Die Qualität der nächsten Gänge steigerte sich noch und ich stellte dem Gastgeber die Frage, wer denn bitte hier so exellent kocht - obwohl das Haus über keine Gastronomie verfügt. Mein Verdacht lag nahe, dass der Caterer "Käfer" sein könnte, aber selbst dieses frisch zubereitete Menü traute ich Käfer nicht zu.


Nach Dessert und Digestif bedankte sich der japanische GF für das Erscheinen der Gäste nochmals und führte in einem Nebensatz noch auf, dass der Koch mit seinem Team doch bitte mal kurz erscheinen sollte. Dann kam die Überraschung. Es erschien Alfons Schuhbeck, plus einigen wenigen Mitarbeitern. Nun wurde klar, warum sich dieses Menü deutlich vom üblichen Standard abgehoben hat. Schuhbeck hatte seinerzeit in Deutschland neben Witzigmann noch einen extrem hohen Stellenwert in der Szene. Deutschland verfügte in der Breite noch über keine Koch Show's. Promi-TV-Köche a la Rach, Mälzer und Co gab es noch nicht. Schuhbeck gesellte sich zu uns, es entstanden unterhaltsame und angeregte Gespräche. Die Zeit über Mitternacht hinaus wurde deutlich überschritten. Schlußendlich fuhren wir am frühen Morgen nach München zurück. Wieviele Weine und weitere Digestif dabei noch konsumiert wurden, ich kann und will es nicht wissen ?


Was ist geblieben ? Eine nette Erinnerung mit einem exellentem Essen, guten Gesprächen mit Schuhbeck und einem japanischen Geschäftsführer, der ganz gegen sein Naturell am nächsten Tag zugeben musste, dass ihm doch die ein oder andere Erinnerung fehlte (Aperitif + Wein + Digestif + Wein + Digestif usw.). Die Event Agentur hatte vorsorglich die Rückflüge erst für den frühen Nachmittag gebucht.
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26.10.2011 10:49 | von Feline50 (20) | Registriert seit: 01.05.2011 | Beiträge: 45

Schöne Beschreibung und das genaue Gegenteil meines "Erlebnisses".
Ja, das man sich daran gern erinnert, glaube ich gern.

Grüße,

Feline

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26.10.2011 13:31 | von Pfannenschwenker (114) | Registriert seit: 31.10.2007 | Ort: Ebensfeld | Beiträge: 5861 | zuletzt aktualisiert von Pfannenschwenker (114) am 26.10.2011 22:11

st zwar kein Gastroerlebniss aber war auch interesant.
In unserer Nähe wurden vor Jahren 2Edeka CC Geschäfte in einem Neubau zusammengefasst.3 Wochen nach Eröffnung war ich dort.An der Kasse eine Riesenschlange.Der Kassier musste bei vielen Artikeln jemand von der Fleischabteilung holen weil die auszeichnung fehlerhaft war.Vor mir ein Italienischer Wirt der schon sehr genervt war weil er so lange warten musste.Er hatte frische Champignon auf dem Band liegen.Leider hatt sich hierfür weder eine Nummer noch ein Preis ermitteln lassen.
Da meinteder Kassier zu Ihm : Brauchen Sie die Champignons wirklich,wollen sie nicht lieber dalassen.
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26.10.2011 17:18 | von x2x (15) | Registriert seit: 26.01.2011 | Beiträge: 284

Hier noch eine Story aus dem Segment "Erinnerungen".


Es war Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre. Wir besuchten Freunde in Wien. Es herrschte Hochsommer, es war sonnig und heiß. Nach einer umfangreichen Shopping-Tour durch Wien, näherte sich der Mittag, Zeit für ein leichtes Essen. Unsere Freunde schlugen vor, angesichts der hohen Temperaturen die Innenstadt zu verlassen, um ein Restaurant in Höhenlage im Wienerwald zu besuchen. Nach einer Fahrzeit von einer guten halben Stunde erreichten wir unser Ziel - Restaurant Fischerhaus (Bezeichnung aus der Erinnerung, ohne Garantie).


Das Restaurant lag wunderschön auf einer Anhöhe, Blick auf Wien, vorgelagert eine weitläufige Terrasse. Wir nahmen Platz und fühlten uns "sauwohl". Im damaligen Sprachgebrauch hätte man gesagt "gediegenes Publikum". Wobei wir vermutlich etwa 20 bis 30 Jahre unterhalb des Durchschnittsalters der anderen (Terrassen) Gäste lagen. Vielleicht fühlten wir uns gerade deswegen so wohl. Was wir genau gegessen haben, daran erinnere ich mich nicht mehr konkret. Irgendwas mit "Fisch und Salat", aber sauteuer.


Während des Essens war dann plötzlich ein häufiges Tuscheln der jungen, hübschen, weiblichen Servierkräfte und der strengen Wiener Ober kaum noch zu übersehen und zu überhören. Es dauerte etwas bis wir es verstanden: "Der Kreisky kommt, der Kreisky kommt" riefen sich die Servicekräfte immer wieder leise zu. Wenige Minuten später fuhren dann zwei schwarze Daimler Benz Limousinen den Berg herauf. Kurze Zeit später betrat der damalige österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky die Terrasse, begleitet von einem weiteren Herrn, der sich später als Minister herausstellte. Dazu noch zwei (!!) ganze Sicherheitsleute. Kreisky und sein Begleiter wurden an unseren Nachbartisch geführt. Scheinbar speiste der Bundeskanzler dort nicht zum ersten Mal, "man kannte sich untereinander". Auffällig war das die anderen Gäste kaum von der Anwesenheit ihres Kanzlers Notiz nahmen und auch der Service mit dem Kanzler sehr unbeschwert umging. Wir allerdings bekamen nahezu jedes Wort vom Nebentisch mit, verhindern konnten (und wollten) wir es nicht. Der Bundeskanzler plauderte unüberhörbar und völlig befreit.


Ganz besonders ist uns aber sinngemäß die Aussage eines anderen Gastes in Erinnerung geblieben, der ebenso wie wir Deutscher war:

"Wenn wir hier in Deutschland wären und der Deutsche Bundeskanzler (Anm.damals Helmut Schmidt) würde hier absteigen, wäre zunächst ein großer Konvoi bestehend aus diversen Fahrzeugen vorgefahren. Das Gelände wäre großräumig abgesperrt gewesen, Personenkontrollen, Sicherkräfte von Sondereinheiten im Gebüsch und über dem Restaurant ein Helikopter".


Wir konnten dieser süffisanten Aussage nur zustimmen. Die Österreicher hatten seinerzeit wohl eine völlige "normale Beziehung" zu ihren Politikern. Ob das heute immer noch so ist, vermutlich nicht ? - Tja so war das damals, "wenn der Kreisky kommt".
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06.11.2011 12:17 | von Feline50 (20) | Registriert seit: 01.05.2011 | Beiträge: 45 | zuletzt aktualisiert von Feline50 (20) am 06.11.2011 12:32

Wie man es schafft in zwei Stunden 12 Halbe zu trinken oder "der Gust".

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Mitte der 80er letztes Jahrtausend beendeten wir unser Asyl in Dillingen/Donau und zogen in ein neues, nähe Regensburg, um. Natürlich, wie immer, aus "beruflichen Gründen". In Regensburg, in der Nähe des Großparkplatzes "Donaumarkt" (den es wohl nicht mehr lange gibt) befand sich in der Gasse "Unter den Schwibbögen" ein Lokal namens "zum Walfisch". Den Namen und das historische Wirtshausschild (Denkmalschutz) gibt es heute noch, das hat aber nichts mehr mit der damaligen Zeit und insbesondere mit den folgenden Erlebnissen zu tun.

Immer wenn wir nach Regensburg zum Einkaufen fuhren und unser Auto am Donaumarkt parkten, parkte meine Frau fürderhin mich und später manchmal auch unsere Kinder dort. Das war sicher ganz praktisch, brauchte Sie doch "Ruhe" zum, wie man es heute nennt, "shoppen". "Ruhe" heißt bei Ihr: Ein Bekleidungsgeschäft betreten, 1 Stunde stöbern und anprobieren, am Ende den Kopf schütteln, und doch nichts kaufen.

Der erste Besuch des "Walfisch" war allerdings beeindruckend:
Ein Wirtshaus aus den 50ern, Dielenboden, Bullerofen, ein Kellner in rotem Livree, milchige Fenster, schummriges Licht, ein am Stammtisch stets laut "diskutierender" Wirt, Billardtisch, ein alter Spielautomat, günstiger Bierpreis.

Manch einer hätte auf dem Fuß umgedreht, ich war fasziniert. Ich hab mich dann meist an den Spielautomat gesetzt (damals waren die Dinger noch noch einigermaßen ehrlich und Gewinne und Verluste überschaubar), die Zeitung zum Bier gelesen oder später mit den Kids Billard gespielt. Und, ganz wichtig, in Ruhe ein oder zwei Pfeifchen rauchen können. Ein Verlust, den ich in der Gastronomie heute, da man vor die Tür geschickt wird, schwer bedaure. Meiner Frau habe ich ihre Einkaufsbummel schwer gegönnt. :)

So beim dritten oder vierten Besuch lernte ich den "Gust" - also den älteren Kellner im roten Anzug - dann etwas persönlicher kennen. Den Rufnamen allerdings hatte ich schon früh erfahren, weil es von Seiten des Wirts öfter tönte: "Gust hier, Gust dort, mach das und dies".

Er schlurfte (ehrlich, so wie man den Kellner von "Dinner for one" kennt) zu mir an den Automaten und sagte:
"Entschuldige Bitte, kann ich dein Bier austrinken? Ich bringe auch gleich ein neues, auf meine Rechnung, aber der Schreihals (anm. der Wirt) darf es nicht sehen!" Ich war so perplex, das ich nur "freilich" sagte.

Das war in etwa der Beginn eines langjährigen Agreements, seinen Anteil an der Zeche steckte er mir unter der Hand zu oder später, als wir ums Eck auch mal Billard spielten stellte er "sein Bier", das ich orderte irgendwo versteckt dazu. Er hatte ja dann auch Grund, den Nebenraum zu besuchen.

Anfang der 90er verstarb der Wirt (vermutlich an Magengeschwür) und das Lokal war für lange Zeit geschlossen.
Seit dem sind wir dort nie wieder verkehrt. Es haben sich wohl einige Pächter seit dieser Zeit versucht - wie man ab und zu der Presse entnehmen konnte -, den aktuellen Status kenne ich nicht, bis auf das Schild, das immer noch dort hängt, und das im vorübergehen Erinnerungen wach ruft. Was aus dem "Gust" geworden ist weiß ich leider auch nicht. Vermutlich hat er seinen "Herrn" um einige Zeit überlebt.

Tragisch komisch oder Sentimental?
Vielleicht.

Aber eine "Wirtshausgeschichte".

Feline




















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07.11.2011 08:44 | von x2x (15) | Registriert seit: 26.01.2011 | Beiträge: 284

@Feline50

Hallo.

Auch eine schöne Story. Unikate wie dieser Kellner, gibt es heute nicht fast mehr. Solche "Kellner" haben früher vielfach in Kneipen und Restaurants eine Macht ausgeübt. Sie bestimmten Teilweise das Geschehen und die Gästestruktur in manchen gastronomischen Betrieben. Fallweise findet man solche Exemplare (positiv gemeint) heute noch in Österreich.
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07.11.2011 11:08 | von schmankerl57 (20) | Registriert seit: 05.09.2007 | Ort: Neustadt | Beiträge: 286 | zuletzt aktualisiert von schmankerl57 (20) am 07.11.2011 11:22

@x2x "Solche "Kellner" haben früher vielfach in Kneipen und Restaurants eine Macht ausgeübt. "
Das waren wenigstens noch "Kellner", nicht das, was einem heutzutage allzu oft übern Weg läuft. Die haben sich drei Wochen später noch an mein Lieblingsgetränk erinnert, einen begrüsst, so wie man Gäste begrüßen sollte, als gerngesehenen Menschen, haben sich in der Küche für einen eingesetzt, um die Extrawünsche erfüllt zu bekommen. Da hat man dann gerne das erwartete Trinkgeld gegeben.
Zu diesem Thread passt auch die schöne Geschichte, frei übersetzt aus dem amerikanischen Roman Hotel Betelmans:
Trauben für Monsieur Cape

Er war der schlimmste von allen, dieser Beau Maxime, aber auch alle anderen Maitres d´ hotel essen gerne. Sie lehnen über Sideboards, verstecken sich hinter spanischen Wänden, und stopfen Essbares in sich hinein.
Besonders beliebt bei ihnen sind kleine Sachen, Fingerfood, das man schnell und nahezu unbemerkt von Platten stibitzen kann, wenn ein Commis an ihnen vorbeiläuft. Sachen wie Krabbenbeine, gebackene Muscheln, Froschschenkel oder Pommes frites.
Im Lauf der Zeit haben sie gelernt zu essen, ohne dass es jemand sieht. Sie können in der Mitte des Restaurants stehen, dem Mund voll von irgendeiner Köstlichkeit und niemand merkt es.
Einer der Maitres im Splendide, ein ziemlich gut aussehender, hatte einen Vorderzahn der oberen Zahnreihe verloren, die Reparatur desselbigen nahm noch etwas Zeit in Anspruch, und so lief er eben mit der Zahnlücke rum.
An einem über die Maßen anstrengenden Lunch klaute er eine grüne Olive von einem der Vorspeisenteller, und als gerade an dem guten Stück herumkaute, um den Kern herauszupulen, rief ihn ein Stammgast an seinen Tisch.
Der Verleger Frank Munsey wollte die weiteren Bestandteile seines Menüs bestellen, während er darauf wartete, dass seine Suppe etwas abkühlte.
Er studierte aufmerksam die ihn gereichte Karte und entschied sich schließlich für geschmorten Kalbskopf, französisch
„tete de veau en tortue“.
Als der Maitre d´hotel diese Bestellung wiederholte mit den vielen T´s in den Wörtern, schoss der Olivenkern durch die Lücke in seinem Zahn und landete ausgerechnet in Mr. Munseys Suppe.
Glücklicherweise hatte sich der Verleger gerade zur Seite gedreht gehabt um sich mit einem Tischnachbarn zu unterhalten, so dass er diesen unglückseligen Zwischenfall nicht bemerkte. Nervös fragte ihn nun der Maitre, ob er ihm nicht die Suppe zurücknehmen sollte um ihm eine heißere zu bringen, da diese inzwischen ja offensichtlich zu sehr abgekühlt sei.
Mr. Munsey, ein überaus um seine Gesundheit besorgter und vorsichtiger Gast antwortete ihm, dass er absichtlich solange gewartet habe, bis die Suppe genug abgekühlt sei, dass diese ihm nicht die Zunge verbrenne, und die sei jetzt genau richtig so wie sie war.
Keinesfalls möchte er die Suppe umgetauscht haben. Nun war natürlich guter Rat teuer.
Aber es gibt einem Ausweg aus solchen Schwierigkeiten, man wendet eine ausgefeilte Technik an mit aufgeregten Gesten, viel Geschrei und Konfusion. Der Maitre informiert zuerst seinen Oberkellner, dieser wiederum den Commis de Rang, eine schnelle kleine Absprache, ein kurzes Wedeln mit der Serviette, ärgerliches Rufen nach dem Commis. Und eins, zwei, drei ist die Suppe weg.
All dies geschieht, während der Maitre d´hotel ein paar Tische weiter weg beschäftigt ist, sodass sich der Gast anschließend empört bei ihm beschweren kann.
Der Angesprochene tat überrascht, peinlich berührt rief er sofort nach dem Commis: „Wo ist die Suppe für Monsieur Munsey, Sie Vollidiot?“
„Oh, Entschuldigung, äh, ich dachte...“ „Sie sollen nicht denken, Dummkopf, geben Sie sofort die Suppe her!“.
Mit hochrotem Kopf stellte der Commis die Suppentasse wieder vor den Gast, natürlich nicht ohne vorher hinter der spanischen Wand mit seinen Fingern den Olivenkern herausgefischt zu haben.
Mit diesem perfekten Zusammenspiel der Beteiligten gelang die Beseitigung des peinlichen Missgeschicks und nachdem der Lunch in weiterer Folge zur allseitigen Zufriedenheit verlaufen war, fiel auch das Trinkgeld dementsprechend gut aus.

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07.11.2011 11:49 | von x2x (15) | Registriert seit: 26.01.2011 | Beiträge: 284

@schankerl57

Hallo. Zu Ihrem ersten Absatz: "Das waren wenigstens noch Kellner............................................................."


Zustimmung !


Wobei natürlich zu berücksichtigen ist, dass diese serviceorientierten (das Wort war seinerzeit noch unbekannt) Kellner ("Ober") noch ein relativ gutes Gehalt + Trinkgelder bezogen. Ganz im Gegensatz zu heute, 400,- Euro Basis oder Azubis. Und ganz wichtig, diese Damen und Herren haben sich noch mit ihrem Restaurant identifiziert !


Aber trauern wir nicht der Vergangenheit nach. Vieles hat sich auch postiv verändert. Vor allem sind heute wirtschaftlich viel mehr Menschen in der Lage "Essen zu gehen". In den 60er und 70er Jahren eher für viele ein Luxus. Heute für viele eher eine Selbstverständlichkeit. Auch weil die Gastronomie sich vielschichtig verändert hat.
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11.11.2011 01:00 | von Feline50 (20) | Registriert seit: 01.05.2011 | Beiträge: 45

@x2x:

Irgendwie drängt sich da natürlich ein Widerspruch auf.

Dass sich ein gewisser Teil der Bevölkerung heute häufiger in der Lage befindet Essen zu gehen, könnte auch damit zu tun haben, das sich ein anderer Teil ebendieser zunehmend außer Stande sieht, sich von dieser Dienstleistung selbst zu ernähren. Von "Nichts" kommt wohl auch bei dieser Betrachtung "Nichts". Uneingeschränkt positiv vermag ich das nicht zu sehen.

Ich glaube nicht einmal, dass es tatsächlich besser geworden ist. Denn seit dieser Zeit sind unzählige Gaststätten "gestorben". Übernommen hat die Lücke im wesentlichen wohl die Systemgastronomie.

Doch, ein wenig trauere ich schon.

Feline




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11.11.2011 09:43 | von x2x (15) | Registriert seit: 26.01.2011 | Beiträge: 284 | zuletzt aktualisiert von x2x (15) am 12.11.2011 11:12

@Feline50

Natürlich hat sich die Systemgastronomie ein gutes Stück vom großen "Gastrokuchen" geholt. An erster Stelle McDonald's, auch wenn einige Kritiker gerne die Aussage machen, dass dieses Konzept das Wort "Restaurant" nicht verdient. Der Zulauf, die Umsatzzahlen und die Expansion sprechen ein anderes Bild.


Leider wird aber immer wieder vergessen, dass inzwischen in Deutschland "in Summe" die Döner-Buden insgesamt mehr Umsätze generieren, als McDonald's. Es gibt dort keine konkreten Zahlen, weil keiner die Umsätze der Döner-Buden summiert erfasst, allerdings gehen Branchenexperten fest davon aus, dass es so ist. Dazu gesellen sich dann noch viele weitere Imbiss-Betriebe, Fast Food Ketten und Pizza/China/Pasta - Bringdienste. Exakt das ist der Grund, warum immer häufiger Restaurants das preisgünstige (Mittags) Tellergericht ("6,90 Euro") anbieten. Auch nicht zu vergessen der steigende Marktanteil der Asia-Restaurants, die ebenso weitesgehend die Preiseinstiegsklasse belegen (Mittagsbuffet für 7,90 Euro).


Insgesamt eine Gastro-Entwicklung, analog zur Bevölkerungsentwicklung. Der Bereiche "unten" und "oben" wachsen, der Mittelbauch wird dafür immer dünner. Ähnlich wie bei vielen anderen Produkten und Dienstleistungen auch.

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