zu wenig Service?
17.12.2011 15:53 | von Lobacher (34) | Registriert seit: 17.12.2007 | Beiträge: 3377
Die Kehrseite der Medaille schaut dann so aus, Zitat aus „Gastronomie Geflüster“:
„Als „immer lästigere Störung“ empfindet die französische Gourmetbibel Gault Millau in ihrer jetzt erscheinenden Deutschlandausgabe 2012 die „Überpräsenz des Service in der deutschen Spitzengastronomie. Was es für Liebende, Geschäftsleute oder eine gesellige Runde bedeutet, wenn der Service heute doppelt so oft an den Tisch kommt wie vor 10 Jahren (damals 20, nun etwa 40 Mal pro Stunde an einen Vierertisch), interessiert diese Störenfriede nicht im mindesten, die ständig etwas ansagen, fragen oder nachschenken müssen“. Auch allzu viele Köche trügen zu diesem „Gästestören bei. Wer seine Zugehörigkeit zur Avantgarde beweisen will, bietet ja kein Stück Fleisch mehr, sondern spielt das in drei Variationen mit sechs verschiedenen Beilagenelementen in Texturen durch. Und jeder Geleewürfel, Saucentupfer und Püreestrich auf dem Teller muss vom Service ausgiebig ‚erklärt’ werden, besonders gern unter Zuhilfenahme des Uhrzeigersinns.
Kurzum, man fühlt sich mittlerweile in den meisten Toprestaurants wie in einem Überwachungsstaat. Wer sich mit Freunden unterhalten oder mit Partnern etwas besprechen will, bedenke bei der Wahl des Lokals, ob er dort noch ausreden darf und sein Gedankenfluss nicht ständig unterbrochen wird. Wir sind sicher, der Service wird es über kurz oder lang hinkriegen, dass Menschen, die sich etwas zu sagen haben, dazu Restaurants meiden.“
„Als „immer lästigere Störung“ empfindet die französische Gourmetbibel Gault Millau in ihrer jetzt erscheinenden Deutschlandausgabe 2012 die „Überpräsenz des Service in der deutschen Spitzengastronomie. Was es für Liebende, Geschäftsleute oder eine gesellige Runde bedeutet, wenn der Service heute doppelt so oft an den Tisch kommt wie vor 10 Jahren (damals 20, nun etwa 40 Mal pro Stunde an einen Vierertisch), interessiert diese Störenfriede nicht im mindesten, die ständig etwas ansagen, fragen oder nachschenken müssen“. Auch allzu viele Köche trügen zu diesem „Gästestören bei. Wer seine Zugehörigkeit zur Avantgarde beweisen will, bietet ja kein Stück Fleisch mehr, sondern spielt das in drei Variationen mit sechs verschiedenen Beilagenelementen in Texturen durch. Und jeder Geleewürfel, Saucentupfer und Püreestrich auf dem Teller muss vom Service ausgiebig ‚erklärt’ werden, besonders gern unter Zuhilfenahme des Uhrzeigersinns.
Kurzum, man fühlt sich mittlerweile in den meisten Toprestaurants wie in einem Überwachungsstaat. Wer sich mit Freunden unterhalten oder mit Partnern etwas besprechen will, bedenke bei der Wahl des Lokals, ob er dort noch ausreden darf und sein Gedankenfluss nicht ständig unterbrochen wird. Wir sind sicher, der Service wird es über kurz oder lang hinkriegen, dass Menschen, die sich etwas zu sagen haben, dazu Restaurants meiden.“
17.12.2011 18:38 | von DerSilberneLoeffel (168) | Registriert seit: 31.08.2007 | Ort: Coburg | Beiträge: 2949
Mittelmaß wäre hier ausnahmsweise einmal angebracht. Aber mit der Selbstreflektion ist es ja immer so eine Sache...
18.12.2011 12:30 | von radix54 (4) | Registriert seit: 26.09.2011 | Ort: Lübeck | Beiträge: 79 | zuletzt aktualisiert von radix54 (4) am 18.12.2011 12:32
Dieses Mittelmaß würde ich gerne einmal erleben! Leider kenne ich überwiegend die oben beschriebene Unsitte ständiger Belästigung durch überfreundliches Personal oder auch nerviges Drängeln ("darf ich Ihnen noch etwas bringen?"), wenn Glas oder Teller noch halb voll sind, auf der anderen Seite der Skala steht dann die " Bedienung", die man erst zur Fahndung ausschreiben muss, damit man ihrer habhaft werden kann. Ich möchte eigentlich nur, dass das Servicepersonal a u f m e r k s a m ist, d.h. mit wachem Blick registriert, ob ich etwas benötige bzw.auf meinen diskreten Wink reagiert, ohne dass ich erst die Trillerpfeife einsetzen oder mich gar persönlich auf die Suche begeben muss. Diese spezifische freundlich-diskrete Aufmerksamkeit finde ich in der Regel nur noch bei altgedientem Personal, das sozusagen zum Inventar des Restaurants gehört und das, wahrscheinlich aus Kostengründen, langsam auszusterben scheint.
18.12.2011 15:12 | von DerSilberneLoeffel (168) | Registriert seit: 31.08.2007 | Ort: Coburg | Beiträge: 2949
Die Idee mit der Trillerpfeife finde ich charmant. Vielleicht würde so ein Lernprozess einsetzen?
18.12.2011 15:49 | von radix54 (4) | Registriert seit: 26.09.2011 | Ort: Lübeck | Beiträge: 79
Schön wär´s! Außerdem könnten andere Gäste gestört werden. Vielleicht käme eine Zwille mit Papierkrampen wie damals in der Schule besser, wäre leiser und ebenso wirkungsvoll. Die Bedienung muss allerdings in Schussweite sein, was ja meistens nicht der Fall ist.
20.12.2011 19:30 | von Radinn (187) | Registriert seit: 12.03.2009 | Ort: Monheim am Rhein | Beiträge: 1089
Das von Gault Millau geschilderte Problem ist mir in diesen Häusern noch nicht untergekommen, das Gegenteil schon häufiger. Übereifrigen oder überpräsenten Service kann man aber durch einen diskreten Hinweisen dazu bringen, weniger häufig an den Tisch zu kommen. In den Häusern ist der Service eigentlich so gut geschult, dass er das begreifen sollte.
Im umgekehrten Fall ziehe ich die Zwille auch vor, da der Lärm geringer sein sollte als bei der Trillerpfeife. Es sei denn, der Lärm des getroffenen Service wird lauter. Aber wie schon angemerkt, der Service muss in Schussweite sein. Dann könnten auch andere Signale wirken, wenn der Service nicht zu sehr durch interne Gespräche etc. zu stark abgelenkt ist.
Im umgekehrten Fall ziehe ich die Zwille auch vor, da der Lärm geringer sein sollte als bei der Trillerpfeife. Es sei denn, der Lärm des getroffenen Service wird lauter. Aber wie schon angemerkt, der Service muss in Schussweite sein. Dann könnten auch andere Signale wirken, wenn der Service nicht zu sehr durch interne Gespräche etc. zu stark abgelenkt ist.
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