TIROL - 6020 Innsbruck - EcoLounge by Jabinger

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13.03.2012 18:46 | von Harleypaule (463) | Registriert seit: 26.06.2007 | Beiträge: 274
Meine nachfolgende Rezension stammt aus einer Veröffentlichungsreihe auf einem Restaurant-Bewertungsportal in Österreich. Nach Beendigung meiner dortigen Mitarbeit im März 2012 habe ich dort sämtliche Rezensionen gelöscht.


ECOLOUNGE BY JABINGER
Stadlweg 23
A-6020 Innsbruck
Küche: International, Gourmet
Lokaltyp: Lounge, Restaurant
Tel.: 0043 0512 341634
Fax: 0043 0512 341634
http://www.ecolounge.at


Gerne erinnere ich mich an die Zeit, als Manfred Jabinger, der sich damals selbst als Genussarchitekt bezeichnete, noch in der Innsbrucker Pradler Straße agierte. Unvergessen auch der dort jährlich am Aschermittwoch stattfindende opulente Heringsschmaus, dessen unglaublich quantitative, aber vor allem auch qualitative Angebotsvielfalt bei geradezu sagenhaft günstigem Preis-Leistungs-Verhältnis letztendlich zu dessen ersatzloser Einstellung/Streichung führte.
Damals......., ja damals durfte Jabinger auch noch auf eine Haube stolz sein.

Im September 2009 erfolgte die Neueröffnung seiner schicken, stylischen EcoLounge samt davon räumlich getrenntem Restaurant, welches zum Speisen nur Nichtrauchern zugänglich ist. Helle, lichtdurchflutete Räume vermitteln ein freundliches Ambiente. Der farbliche Kontrast zwischen den
hellen Stoffbezügen von Stühlen und Bänken einerseits sowie des dunklen Holzes von Stühlen und Tischen andererseits ergibt in Symbiose mit den dezenten Tischeindeckungen eine gewisse Noblesse.

Die Haube wurde Jabinger zwar leider nach seinem Umzug in das Gewerbegebiet Rossau aberkannt, er selbst blieb sich jedoch in Bezug auf seine Küchenphilosophie weiterhin treu. Der Autodidakt, der mir vor Jahren einmal stolz erklärte, er hätte noch niemals bei einem der „ganz Großen“ gearbeitet und sich mehr oder weniger alles selbst beigebracht, vertritt eine erfreulich klare Position: „Ich bin weder ein Allerweltskoch noch angepasst, mag keine ausgetretenen Pfade sondern betrete neue Wege.“ Das fühlen Wollen der dumpfen Ruhe des Nachahmers sei ihm ebenso suspekt, wie in die Sicherheit des kompetenz-freien Kochens einzutauchen meint er und hat damit sicherlich nicht nur die kulinarischen Individualisten auf seiner Seite.

Hehre Worte, denen letztlich auch die entsprechenden Taten folgen. Klar erkennbar vor allem in seiner Karte mit Wildspezialitäten und frischen Trüffeln.
Zum Auftakt orderte ich Carpaccio von Reh und Gänseleber mit Trüffelvinaigrette und Blattsalaten. Qualität, Konsistenz und Temperatur des Wildbrets waren vorbildlich und eine derart in das Wildbret integrierte Gänseleber wünscht man sich als kontrastreichen, geschmacklichen Gegensatz öfters.
Luftig-duftig das Maronischaumsüppchen mit Trüffelnockerl. Allerdings muss ich hier der Hausherrin in ihrer Eigenschaft als Servierdame (bildlich) „auf die Finger klopfen“: Der Tellerrand gehört dem Gast!
Herrlich auch die Gänseleberravioli mit caramelisierter Birne und Trüffelbutter. Dass es sich bei der Birne um Apfel handelte, will ich dem Chef nicht weiter nachtragen, hat er mir doch mit dieser Art von Ravioli große Freude bereitet.
Optisch in höchstem Maße ansprechend kam der Wildhasenrücken auf Schokoladenjus mit gelben Rüben im Wirsingblatt und Kartoffelbaumkuchen auf den Tisch. Spitzenqualität beim Wildbret darf man in diesem Hause schon beinahe voraussetzen. Lob gebührt aber der Küche für die hervorragende Schokoladenjus, deren ausbalanciertes Verhältnis von Süße und Säure in meinen Augen schon höhere Kochkunst bedeutet. Beifall auch für Präsentation und geschmacklicher Gefälligkeit des Kartoffelbaumkuchens.

Geschäftsleute und Mitarbeiter der umliegenden Gewerbebetriebe und Büros werden positiv zur Kenntnis nehmen, dass man in der EcoLounge sehr preiswerte Mittagsmenüs anbietet. Auf der Homepage ist einsehbar, was am jeweiligen Wochentag angeboten wird und für € 8,30 ist eine Suppe oder Salat sowie ein Hauptgericht eine durchaus attraktive und preisgünstige Mittagsverpflegung.

Die Ehefrau, Maren Jabinger, versieht den Service wie eh und je mit souveräner Umsicht. Freundlich und zuvorkommend schon bei der Begrüßung, routiniert bei Beratung und Weinservice, aufmerksam und schnell zur Stelle, wenn sie gebraucht wird. Hapert es in manch hochdekoriertem Hause oft am nachschenken des Weins oder man muss um das wieder befüllen des Brotkorbs regelrecht betteln - nicht bei Frau Jabinger.
Nur ihrem männlichen Servicekollegen, der sporadisch als Hilfskraft auftaucht, ansonsten aber in der Raucherabteilung tätig ist, dürfte sie etwas mehr Freundlichkeit beibringen. Schließlich ist ein einfaches „Grüß Gott“ doch nicht zu viel verlangt, wenn man als Servicekraft zum Gast an den Tisch tritt.

FAZIT:
Die EcoLounge empfiehlt sich nicht nur für einen preisgünstigen Mittagstisch. Vor allem bei abendlichen Besuchen kann für kulinarische Individualisten der eine oder andere ausgefallene Speisenwunsch unverhofft in Erfüllung gehen. Leider befürchte ich, dass Manfred Jabinger nach Lage der Dinge und den Umständen entsprechend auf ein Comeback im Gault Millau in nächster Zeit nicht hoffen braucht.
Das Restaurant ist aber ganz selbstverständlich eine uneingeschränkte Empfehlung.

(Der Restaurantbesuch erfolgte am 18.11.2011 abends mit zwei Personen)
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17.03.2012 10:57 | von wiesmahdmen (10) | Registriert seit: 12.03.2010 | Ort: Mittenwald | Beiträge: 2 | zuletzt aktualisiert von wiesmahdmen (10) am 17.03.2012 11:05
Vielen herzlichen Dank an Harleypaule, denn ohne ihn wären wir weder auf dieses tolle Restaurant aufmerksam geworden, noch hätten wir es gefunden. Niemand würde inmitten des Innsbrucker Industriegebiets Rossau im Erdgeschoss eines modernen Betonbunkers ein derartiges Restaurant vermuten.

Gegen 18.30 Uhr saßen wir am 16.3.2012 zwar noch alleine im Lokal, es füllte sich aber zusehends. Deutlich war zu sehen, dass viele Stammgäste zugegen waren. Wen wundert's? Dieses traumhafte Preis-Leistungsverhältnis sowohl bei den Speisen, als auch bei den Weinen übt scheinbar bei denjenigen, die es wissen, schätzen und kennen, magische Anziehungskraft aus.

Herrlich die gebratene Wachtel auf Salat mit roten Linsen und geradezu himmlisch das Thunfischtartar auf Auberginenconfit mit Gurken-Pinienvinaigrette. Schwierig wurde es mit der Auswahl des Hauptgangs. Die Fischkarte beinhaltete eine stattliche Auswahl von Köstlichkeiten, wie beispielsweise Seeteufel in Parmaschinken auf Flusskrebs-Ravioli oder die Variation von Edelfischen vom Grill auf Blattsalaten.
Uns gelüstete nach Rotbarbenfilets auf Zitrusfruchtrisotto. Die zwei stattlichen Filets, die die Küche auf dem Risotto anrichtete, waren selbstverständlich perfekt gebraten. Knusprig die Hautseite, butterweich der Fisch. Das Risotto handwerklich einwandfrei, breit, satt, sämig, fast breiig. Halt so, wie ein Risotto eben sein soll.
Ein halbflüssiger Schokoladenkuchen auf weisser Moccasauce mit Pistazieneis war ein toller Abschluss.

Frau Jabinger bediente uns persönlich mit der gebotenen Aufmerksamkeit. Auffallend war die unorthodoxe Weinberatung. Bei Nennung der Rebsorte präsentierte sie an den entsprechenden Tischen die derzeit im Hause verfügbare Weinauswahl und stellte bis zu vier Weine vor. Hervorzuheben haben wir nochmals die äußerst fair kalkulierten Weine, auch bekannterer Winzer aus dem Kamptal und der Wachau.


Wir haben in Innsbruck ein neues Lieblingsrestaurant. Niveauvoll das Ambiente, qualitativ hochwertig die Speisen und ein Preis-Leistungsverhältnis, von dem man hierzulande nur träumen kann.
Deshalb nochmals unser ganz besonderer Dank an unseren Freund Harleypaule.


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