Das sehe ich genau so. Wir haben in unserem Lokal angefangen mehr Vollkorn produkte anzubieten ( nicht zum Trinken, dass währe genauso schlimm) und dieses hat sich rumgesprochen, meine Gäste sind froh nicht immer diese vielfalt an mengen Fleisch in sich reinzustopfen. Außgewogene Ernährung ist nun mal wichtig, nichts dagegen mal etwas Fast Food zu sich zu nehmen, aber dann auch noch solche mengen Fleisch, bedenklich!! Es sollten nur 80-120gr. pro Tag sein, es ist mehr. Denn viele rechnen die Wurst , den Schinken u.s.w. nicht dazu, ist ja kein Fleisch! Ich kann nur davor Warnen 1000gr. Fleisch plus Beilagen zu sich zu nehmen. Der Menschliche Körper ist irgendwann voll!!!! Und dann haben wir den Salat, mit dem Krankenhaus. Vielmehr sollte man auf Slow Foood setzen und dann auch noch abwechslungsreich mit Gemüse. Es muß jeder selbst sehen, was er mit seinem Körper anrichtet, hier tritt etwas Gicht auf , da etwas zu hoher Cholesterinspiegel, dann etwas Zucker u.s.w., aber es gibt ja Pillen, aber dann auch Nebenwirkungen. In diesem Sinne ........
XXL - oder der Untergang der Esskultur?
20.09.2007 | Autor DerGaumenkitzler (75) | Allgemein | Kommentare (3)
Einer der Trends in der Gastrobranche lautet „größer, dicker, fetter“. Zeit, sich ein paar Gedanken darüber zu machen, dass nicht nur die Menschen, sondern auch die Portionen in beängstigendem Maße zunehmen. Ein Kommentar vom Gaumenkitzler.
Was hat unsere Nation in den letzten Jahrzehnten kulinarisch nicht alles überstanden: nach den mageren Kriegsjahren die fette Eisbein- und Kotelettzeit, die erste Pizza, Currywurst und Pommes und die Entstehung der Burgerbuden. Dann kam die Nouvelle Cuisine, bei der zu Tode gekochtes Gemüse in Fingerhutgröße angerichtet wurde und nun sind wir – nach Umwegen über Drehspießfleisch(ersatz) im Fladenbrot - beim Supergau überhaupt angelangt: dem XXL-Schnitzel und seinen Derivaten unterschiedlichster Coleur. Es ist ja schon lange bekannt, dass viele Deutsche Bürger ein für sie „gutes Essen“ mit großen Portionen gleichsetzen. Gegen eine sättigende Menge ist auch nichts einzuwenden. Mittlerweile scheint es sich allerdings zum Volkssport zu entwickeln, dass die Portionen in amerikanischen Kleidergrößen für adipöse Footballspieler angegeben werden.
Kaum eine Region, in der nicht irgend eine Dorfgaststätte auf den Zug aufspringt und die Schnitzel von zwei auf fünf Euro klopft, oder gar längs entlang der kompletten Sau schneidet. Danke Amerika, dass Du uns nach zahlreichen Spleens, unsinnigen Trends und fragwürdigen Angewohnheiten auch noch die Ehre zuteil werden lässt, die dekadenten Essgewohnheiten Deiner Landsleute zu adaptieren!
Der Deutsche wird immer dicker und mit ihm das Fleisch. Da wird mit 1500 Gramm Schnitzeln geworben, mit 8000 Kalorien-Burgern, welche einen Durchmesser von 40 Zentimetern oder mehr haben. Als kleinen Zwischensnack vielleicht noch die Zwei-Meter-Bratwurst mit einem Eimer Kartoffelsalat – runtergespült mit einem 8 Liter fassenden Bembel (hessisches Nationalgefäß) Whiskey-Cola? Hervorragend! Auf dem Tisch liegt dann manchmal schon für alle Fälle eine Rolle Alufolie bereit. Doch wer sie nutzt, gilt als Feigling, als Kapitulierender vor dem Herrn und bekommt dies dementsprechend mit Häme vermittelt. Soweit sind wir gekommen. Das was in etlichen Lokalen der Republik kredenzt wird, erinnert mehr an vorsätzliche Massenkörperverletzung als an kulinarische Genüsse – vor allem, wenn man bedenkt, wie groß der menschliche Magen eines ausgewachsenen Mannes ist: rund 20 Zentimeter lang mit einem Fassungsvermögen von etwa 2 Litern. Der fühlt sich dann mit einem 72 Unzen Steak samt Bratkartoffeln und Salat plus Suppe und Eisbecher „Extrem“ so richtig zum Bersten gefüllt.
Wen wundert es eigentlich noch, dass in den letzten Jahren die Zivilisationskrankheit Refluxösophagitis sprunghaft angestiegen ist? Eine auf übermäßigen Ess- und Trinkgenuss zurückgehende Erschlaffung des Mageneingangsmuskels, die bewirkt, dass Magensäure ungehindert in die Speiseröhre zurücklaufen und ernsthafte Spätfolgen entstehen lassen kann. Derartige „Fresskapaden“ schädigen letztendlich unser eh schon angeschlagenes Gesundheitssystem und am Ende erhalten wir alle die Quittung, während wir uns noch wundern, warum die Krankenkassen kein Geld mehr haben.
Es ist doch wie so oft im Leben: weniger ist oft mehr. Und manchem würde eine ausgewogene Ernährung und der Einkehrschwung auf den örtlichen Trimm-Dich-Pfad besser zu Gesicht stehen, als der Gang ins Schnitzelparadies, mit dessen Portionen in weniger begünstigten Regionen der Erde ganze Landstriche ernährt werden könnten. Doch das scheint ein Wunschdenken zu bleiben in Zeiten von "Geiz ist geil" und der "Hauptsache viel auf dem Teller Einstellung"...
Der Gaumenkitzler, 20.09.2007
Kommentare (3)
Vielen Dank für diesen Beitrag und den treffenden Kommentar. Ich finde es nicht nur gesundheitlich bedenklich, dass sich einige Mitmenschen vor allem mit (Billig-)Fleischerzeugnissen mästen. Ich habe zudem den Eindruck, dass diese Leute völlig den Bezug zu ihren Nahrungsmitteln verloren haben. Vielen ist gar nicht mehr bewusst, was sie da eigentlich in rauen Mengen in sich rein stopfen. Es sind (oder waren) Lebewesen! Dass das Fleisch auf dem Burger oder das Mega-Schnitzel einmal lebendige Tiere waren ahnt doch kaum noch jemand. Dementsprechend verliert sich der Respekt vor diesen Lebensmitteln. Die Tatsache, dass Billigfleisch nur durch Massenproduktion erzeugt werden kann wird einfach verdängt. Wer dagegen auf artgerechte Haltung der Tiere achtet, die er verspeist, der muss einen entsprechenden Preis dafür bezahlen. Und Fleisch, das eben etwas mehr kostet wird selten kiloweise reingeschaufelt, sondern in moderaten Mengen genossen. Und genau das könnte helfen, diesem abartigen Trend des Mega-Konsums billigster Fleischprodukte entgegenzutreten. Das Bewußtsein für Lebensmittel(besonders tierischer Produkte) sollte bereits im Kindes- und Jugendalter geprägt werden. Denn hier wird der Grundstein gelegt für das zukünftige Essverhalten und den Umgang mit der Nahrung. Ich finde, jedes Kind sollte im Rahmen des Schulunterrichts einmal einen großen Tiermastbetrieb und daneben auch einen kleinen (Bio-)Bauernhof mit Freilandhaltung besucht haben. Dann wird den Kindern vielleicht klar, welches Tier sie lieber auf dem Teller haben wollen und um welchen Preis. Wichtig ist auch, dass den Kindern schon klar gemacht wird, dass ihr Schnitzel überhaupt mal ein Tier war und nicht in der Fabrik "gemacht" wurde. Möglicherweise können wir so der nächsten Generation wieder etwas mehr Achtung vor dem vermitteln, was uns ernährt.
Ein weiterer, wahrscheinlich schwer umzusetzender Weg den Massenkonsum von Fleisch zu drosseln, könnte die Einführung von Mindestpreisen für Fleisch und Fleischprodukte sein. Es ist nämlich schon reichlich pervers, dass es oft billiger ist, Fleisch zu essen als die gleiche Menge an Nähstoffen in Form von Gemüse oder Getreide zu sich zu nehmen. Glücklicherweise zeigt sich zur Zeit aber auch ein Gegentrend hin zu natürlich und regional erezeugten Lebensmitteln, sowie ein boomender Handel mit Bio-Produkten. Bleibt zu hoffen, dass die Schar der Genuss-Menschen weiter zunimmt und die Massenfleischfresser erkennen, dass weniger oft mehr ist.
Tja. es ist schon ein Kreuz mit der Mündigkeit der Bürger. Beachtlich, wie viele Menschen offensichtlich den letzten Funken gesunden Menschenverstandes abgegeben haben und sich auf derlei gesundheitsschädigendes Essverhalten einlassen. Aber man kann einem durchschnitlich gebildeten Mitteleuropäer ja auch nicht alles per Reglements oder Verbote vorschreiben. Sonst könnten wir uns ja gleich auf ein Horrorszenario gefasst machen. Nachdem 2008 der Startschuß für das flächendeckende und in meinen Augen sinnvolle Rauchverbot fällt, hieße es dann in 2015 vielleicht: Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. Und 2035 dann: "staatlich kontrollierte Essensausgabe biologisch und ökologisch einwandfreier und politisch korrekt hergestellter Lebensmittel an Bürger, die ihre Krankenkassen durch falsches Essverhalten ungebührlich hoch belasten" ;-))
Alleine die Vorstellung ist grausam. Bleibt wirklich zu hoffen, dass diese Entwicklung auf dem Gastronomiemarkt schneller vorüber geht als die ganzen kulinarischen Auswüchse bislang und sich immer mehr Menschen entscheiden, ihr Leben vernünftig anzugehen - sie haben ja nur eines. Und vernünftig "schlemmen" in einem vertretbaren Rahmen in normalen Portionen, langsam gegessen kann, so viel Freude machen. In diesem Sinne buon appetito!





