Sonnenhof Lautenbach: Neuer Küchenchef, neues Restaurant

28.07.2010 | Autor Dirk Baranek (73) | Koch, Neueröffnung | Kommentare (0)

Mit LE SOLEIL erweitert der Sonnenhof in Lautenbach seine gastronomische Angebotspalette um eine weitere „Sonne“. Für Geschäftsführer Florian Kabis und Chefkoch Michael Braun ist die Einrichtung eines neuen Restaurants im Sonnenhof-Komplex vor allem eines – konsequent! „In den vergangenen zwei Jahren haben wir alles darauf ausgerichtet, in Lautenbach ein kulinarisches Zentrum mit exklusiver Gastlichkeit aufzubauen,“ erläutert Kabis. „Durch die Erweiterung des Gesamtkonzeptes um das neue Restaurant LE SOLEIL werden wir nun allen Gästen eine weitere gastronomische Facette bieten.“ Wobei die Betonung auf „alle Gäste“ liege, wie Braun ergänzt. Denn bisher gab es zwischen der gehobenen Gourmet-Küche in der Bordeaux-Stube und den rustikal-authentischen Speisen im Sonnenstüble einen (gewollten) Kontrast. Der nun mit LE SOLEIL und ihrer sonnig-mediterran ausgerichteten Küche aufgehellt wird; übrigens auch zum Wohl aller Gäste, die bevorzugt im mittleren Preissegment speisen. Entsprechend hat sich nun der Sonnenhof in Lautenbach zu einem richtigen „Sonnensystem“ entwickelt, das in der kulinarisch stark entwickelten Ortenau-Region mit Vielfalt und Exklusivität strahlen wird. Florian Kabis und Michael Braun unisono: „Wir beschreiten keine neuen Wege, richten uns nun allerdings konsequenter aus. Damit möchten wir den Gästen zeigen, dass man „sonnig“ durchaus schmecken kann!“ Freiheit. Nicht mehr, nicht weniger. Seit Anfang Juni ist Michael Braun neuer Chef de Cuisine im Sonnenhof in Lautenbach. Sein kreativ-eigenwilliger Stil prägt seitdem nicht nur die Küche des Gourmetrestaurants Bordeaux-Stube, sondern auch die Ausrichtung des weiteren Sonnenhof-Komplexes: So ergänzt etwa das neue Restaurant LE SOLEIL mit mediterran inspirierten, leichten Küchen-Kreationen die Genießer-Palette in Lautenbach. Im Gespräch erzählt Michael Braun, was ihn bewegt und antreibt. Ihre beruflichen Stationen seit Ihrem ersten Kochpraktikum in 1994 lesen sich wie das „Who is Who“ der Gourmetküchen: Hotel Bareiss, Corviglia St. Moritz, die Schweizer Stuben des Fritz Schilling, das Massimiliano in München unter Joe Gasser, Fährhaus Munkmarsch bei Juan Amador, Schloss Lerbach mit Dieter Müller bis hin zur Residenz Heinz Winkler*… gibt es in so einem beruflichen Werdegang eigentlich Stationen, die Sie besonders geprägt haben? Michael Braun: Sicher, das sind ja alles sehr emotional gelebte Meilensteine in meinem Leben, und jede dieser Stationen ist natürlich eine eigene Geschichte wert. Aber spontan: Die Zeit mit Joe Gasser war für mich besonders wichtig, er war so etwas wie ein Mentor für mich, bei ihm habe ich wirklich viel über die Szene erfahren, auch was außerhalb der Küchen wichtig ist. Mit ihm bin ich um 6 Uhr morgens auf den Großmarkt, mit ihm haben wir nachts noch über Verbesserungen für das Menü am nächsten Tag gebrütet. Auch meine Zeit auf Sylt, unter den Fittichen des Molekular-Kochs Juan Amador, hat mich über viele der nachfolgenden Jahre inspiriert; oder im Borchard, Berlin … Als Küchenchef hatte ich damals schon 45 Leute auf dem Dienstplan stehen. Außerdem lernte ich dort meine jetzige Frau kennen, mit der ich mittlerweile 2 Kinder habe. Sie sind sozusagen in einem Landgasthof aufgewachsen, gab es nie die Idee, etwa im elterlichen Restaurant etwas „Eigenes“ aufzubauen? Michael Braun: Doch, in 2001 bin ich gemeinsam mit meiner Frau „daheim“ eingestiegen, aber der Drang nach der internationalen Gourmetküche hat mich damals ins Colon nach Mallorca und später auch in die USA nach Miami Beach zu Donald Trump gebracht. Und gerade weil diese Reisejahre im Ausland viele Opfer von meiner Familie verlangten, haben wir uns schließlich in der Region niedergelassen, damit ich beruflich meine ganz eigenen Ideen entwickeln und realisieren kann. Zunächst im VOXS-Hotel in Kehl und jetzt hier im Sonnenhof in Lautenbach. Können Sie nach einem Monat Zusammenarbeit schon sagen, was Sie im Sonnenhof besonders schätzen? Michael Braun: Man gibt mir hier die Möglichkeit, mich völlig frei zu entfalten. So etwas ist selbst für Chefs de Cuisine rar geworden. Und die außergewöhnlich gute Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Florian Kabis ermöglicht es mir auch, mich konzeptionell einzubringen. Zudem: Jeder Küchenchef fühlt sich besonders wohl, wenn er in einer hervorragend ausgestatteten Küche und mit allerfeinsten, ausgesuchten Zutaten bzw. Produkten arbeiten kann. All’ das und eine Menge Vertrauen wird mir hier im Sonnenhof geboten – wer würde sich da nicht wohl fühlen? Wie würden Sie Ihren Arbeitsstil bezeichnen? Michael Braun: Wissen Sie, all’ diese Stilrichtungen, auf die man festgelegt wird … Ich bin fest davon überzeugt, dass man sich jeden Tag verändern kann, das ist ja das Kreative beim Kochen. Spontan darauf reagieren, was es morgens Außergewöhnliches auf dem Markt gibt – ich bin fest davon überzeugt, dass wirklich gute Köche zur Hälfte solide Handwerker und andrerseits kreative Köpfe sein sollten. So sehe ich mich jedenfalls. Apropos Kreativität: Wann fühlen Sie sich besonders inspiriert? Michael Braun: Wenn ich koche, dann ist das wie beim Malen. Ich habe so eine Art Farbkasten aus verschiedenen Zutaten im Kopf, die werden verwendet wie man Farben mischt oder abtönt. Zudem lasse ich meine gesammelten Erfahrungen und Know-how im Umgang mit den verschiedenen Fischen und Fleischsorten mit einfließen. Beim Kochen kommt es ja auch immer auf die Details an. Nehmen wir die vielzitierte mediterrane Küche – wo beginnt sie, wo hört sie auf? Darf sich ein Kochstil nur mediterran nennen, wenn der Chef de Cuisine ausschließlich Sardinen zum Salzen verwendet? Sie nehmen also den Begriff Entfaltung beim Kochen wörtlich? Michael Braun: Für mich ist Kochen tatsächlich eine der schönsten Aktivitäten überhaupt. Dabei kopiere ich nicht, sondern verstehe mich als „Kreateur“, und zwar jeden Tag aufs Neue. Meine Küche ist Freiheit – nicht mehr und nicht weniger.

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