Schaumschlägern widmet man in der Regel keine große Aufmerksamkeit. Es sei denn, sie üben das Handwerk des Barista aus und zaubern aus Espresso, Milchschaum und kreativen Ideen vorzügliche Kaffeekreationen. Im Rahmen der Frankfurter Messe Ambiente wurden in den letzten Tagen die Sieger in verschiedenen Disziplinen rund um das Kaffehandwerk ermittelt und am 15. Februar von einer fachkundigen Jury ausgezeichnet.

Neben dem Küren des
besten deutschen Kaffeeröstmeisters und der Durchführung des
Cup Taste Contests, sowie der
Coffee & Spirit Competition fanden bei dieser
Kaffeeolympiade vor allem die beiden Wettbewerbe
Latte Art Contest und
Barista Championship große Beachtung beim Fachpublikum der Ambiente.
Etwas unglücklich fiel die Wahl auf die Moderatorin Janis, die am Sonntag mit deutlichen Schwächen und unnötigen Längen die Nerven der Zuschauer und der zu Recht nervösen Teilnehmer strapazierte und keine Gelegenheit auslies darauf hinzuweisen, dass es nach dem Genuss einer Flasche eines bekannten italienischen Brandys (dessen Hersteller als einer der Sponsoren der Veranstaltung firmierte) keine Kopfschmerzen am nächsten Tag gäbe. Der Selbstversuch am Vorabend wirkte sich indes nicht gerade positiv auf die eigenen Artikulationsfähigkeiten aus. Zum zweiten Teil dieses Veranstaltungstages wurde die Dame dann gegen einen männlichen Kollegen ausgetauscht.
Die Teilnehmer mussten für die Wettbewerbe den größten Teil ihres Equipments selbst mitbringen. Darunter fielen Geschirr, Mixer, Eis-Crusher, diverse Zutaten und Kaffeemischungen. Eiswürfel und 3,5%ige Milch wurden zur Verfügung gestellt. Jedem Teilnehmer standen eine 2-gruppige Espressomaschine und eine Mühle im Übungsraum sowie zur Präsentation auf der Bühne zur Verfügung. Es stand den Teilnehmern frei, eine eigene Mühle mitzubringen.
Favorit Jörg Kranke beim Anpressen des Kaffeemehls:

Die Jury bewertete Geschmack und Geruch, Optik, Originalität und Präsentation nach einem international gültigen Reglement der
SCAE (Speciality Coffee Association of Europe).
In der Disziplin
Latte Art Contest hatten die Baristi 8 Minuten Zeit, den Juroren drei unterschiedliche Getränkepaare mit Milchschaumkunstwerken zu präsentieren. Mit großem Geschick und viel Übung zauberten die Teilnehmer faszinierende Bilder in die Milch. Die so produzierten Getränke mussten einem vorab von jedem Barista eingereichten Foto möglichst ähnlich sehen. Den dritten Platz belegte Funda Soysal mit 27 Punkten in einer Zeit von 8:11 Minuten. Auf Platz zwei folgte Eric Wolf mit 27,5 Punkten und einer Zeit von 7:35 Minuten.
Der Favorit Jörg Kranke vom
chicco di caffè in Oberhaching bei München ging als Sieger hervor. Er punktete mit einer souveränen Präsentation, servierte die sechs Getränke in 7:50 Minuten und erntete u.a. für sein in den Milchschaum eines Cappuccinos gezeichnetes Hundegesicht 28 Punkte. Mit dieser Eigenkreation hatte er bereits zwei Tage zuvor Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin fasziniert.
Gewinner des Latte Art Contest 2009 - Jörg Kranke:

Höhepunkt des Tages war die Wahl zum Barista des Jahres 2009. Hierzu hatten die Kandidaten 15 Minuten Vorbereitungszeit, sowie 15 Minuten für ihre Präsentation, in der sie je vier Espressi, vier Cappuccini und vier Eigenkreationen nach Wahl zubereiten mussten.
Durch Handzeichen bestimmten die Teilnehmer den Start für die Zeitmessung und für den Einsatz ihrer persönlich ausgewählten Musik. Auch hier kristallisierte sich schnell eine Favoritin aus den 6 Finalisten/innen heraus: Nana Holthaus-Vehse (ebenfalls
chicco di cafè, Oberhaching) holte letztlich mit 564,5 Gesamtpunkten in 14:49 Minuten den Sieg. Mit ihrer Eigenkreation "Espresso mit Bountyespuma auf Balsamicoreduktion und Kaffee-Kaviar überzeugte sie nicht nur die Jury, sondern begeisterte auch das Publikum mit dieser Zubereitung, die sie der molekularen Küche entliehen hatte. Holthaus-Vehse darf nun Deutschland bei den
Internationalen Barista-Meisterschaften in den USA vertreten.
Drittplazierte Stefanie Heidemann (links) gratuliert der überwältigten Siegerin Nana Holthaus-Vehse:

Auf Platz zwei folgte Matthias Lincke mit 543 Punkten in 14:47 Minuten, gefolgt von Stefanie Heidemann. Sie begeisterte das Publikum mit einer Latte-Macchiatokreation mit Chili, Kardamom, Zimt und Vanillesahne, sowie der Verwendung von Bohnen aus ausschließlich indischer Provenienz. Diese Leistung in nur 12:21 Minuten würdigte die Jury mit 532,5 Punkten und Platz drei.
In den die Wettbewerbe begleitenden Seminaren konnten sich Interessenten zu den unterschiedlichsten Themen aus der Welt des Kaffees weiterbilden.
Ist ein Gast im Restaurant mit dem Essen unzufrieden, oder stellt er einen Korkschmecker am Wein fest, ist er oft selbstbewusst genug, dies zu reklamieren. Beim Kaffee bzw. Espresso, der den krönenden Abschluss eines Essens bilden sollte, wird jedoch oft ein Auge zugedrückt, wenn die Qualität dementsprechend bescheiden ist. Baristaschulungen und -wettbewerbe tragen dazu bei, die Kaffeekultur in Deutschland nachhaltig zu verbessern und Qualitätsstandards zu setzen.
Noch ein paar Impressionen aus Frankfurt:





Text & Fotos: Der Gaumenkitzler