Das Lokal eröffnete am 2. November und bereits am 11.11. waren kaum mehr neu-gierige Gäste anwesend. Ein paar Freunde und Bekannte der Besitzer füllten zwar noch die Location auf ein erträgliches Maß, aber das Restaurant schien beim Eintritt kein "Must-have" zu sein, kein Insidertip, wo sich die Gourmets die Klinke in die Hand geben.
Das Essen war durchweg von guter Qualität, zu bemängeln sind der eher durchschnittliche Service- ohne Plan, Beratung und Timing. Wir reservierten für 2, wurden an einen 4er Tisch gesetzt ( was bei der "Auslastung des Lokals durchaus zu vertreten war) und wurden dann, nachdem wir uns schon ausgebreitet hatten, nochmals an einen 2er Tisch umgesetzt.
Ein "Gruss aus der Küche", bei der der Koch einen kleinen Einblick in sein Können zeigen könnte, fehlte ganz, allerdings wurde ein winziger Klecks sehr salzigen Auberginenmousse mit Pesto zu einem sehr empfehlenswerten Kartoffelsciacciata gereicht. Wehmütig denken wir da an die Salz- und Olivenölvariationen, den frischen Brotkombinationen in der versiegelten Tüte auf heißen Kieselsteinen zu den G-Tagen zurück. Wir empfanden das ganze Entrée und die Tischdeko als eher lieblos, eine rote Nelke ( deren Tod lag auch schon einige Tage zurück) in einer auf dem Tischtuch aufgeklebten Spaghettivase, zeugte nicht gerade von einem besonderen Geschmack oder einer furiosen Idee.
Die Vorspeisen, einmal Lemonchicken und Jacobsmuscheln hätten weniger orientalisches Gewürz vertragen, da dieses den feinen Geschmack des Chickens und der Muscheln etwas abtötete. Zudem wurde vom Küchenchef etwas eigenmächtig ein Zitronengrasschaum auf die Muscheln aufgetragen, die als Zutat aus einem anderen Gericht stammten. Der Koch konnte ja nicht wissen, dass der Kritiker mit den thailändischen Komponenten nicht so auf "du und du" steht. Es wurde aber anstandslos umgetauscht, verlor aber danach etwas an Optik. Insgesamt ist die ganze Menükarte südostasienlastig: Zitronengras, Ingwer, Wasabi, Curry, Koriander etc..für den, der es mag, sicher eine schöne Kombination, aber auch nichts wirklich Neues und auch nicht so "regionalbezogen" wie angekündigt.
Die Hauptgerichte, Tomatenfregola mit Mozzarella und Ochsenbäckchen waren eigentlich nicht zu beanstanden, außer einer leichten Asianote in der Sosse der Bäckchen, die meiner Meinung nach, so gar nicht dazu passte.
Die Weine waren extrem genau auf 0,1 eingeschenkt, aber ganz ok, den Zweigelt aber haben wir schon um Klassen besser getrunken. 8 von 10 Punkten für die Weinliste.
Den Nachtisch haben wir ausgelassen und hatten dafür den ungefähr schlechtesten Espresso , den wir je getrunken haben. A.) war er kalt B.) extrem sauer und C.)dann einfach, obwohl doppelt bestellt und D.) ohne Crema......
Insgesamt fehlt es an wenig an Atmosphäre und "Accoglienza" und dem "personal Touch" wenn man nicht mit Shawn oder Florian bekannt ist, wird man nicht eines Blickes gewürdigt. Die Kreationen haben aber durchaus ihre Berechtigung, wenn das Drumherum stimmen würde.
Zuletzt wäre zu bemerken, dass man, um die Rechnung via EC zu zahle, sich in die Hotellobby begeben muss, was natürlich auch an der kurzen Öffnungszeit liegen kann, in der man noch kein portables Gerät erhalten hat.
Nach Bezahlen der Rechnung ist man dann auch vergessen und abgehakt. Mäntel muss man sich dann selber holen und die Verabschiedung ist auch eher spärlich und endet im Restaurantbereich.
Dass man einen Digestiv wegen der Faux pas ausgegeben bekommt, ist zwar nicht überall üblich und durchaus nicht im Rahmen dieses Restaurants...Schade!
5 von 10 Punkten für den Service, 8 von 10 Punkten für das Essen, 5 von 10 Punkten für Deko und individuelle Ideen ( Das ganze Einrichtung Konzept stammt eh noch aus dem G und nur ein paar optische Aufheller lassen das Lokal in "neuem Licht" erscheinen.
Sorry, für mich war, außer dem Kartoffelbrot, kein Highlight dabei.
In Kürze neu in München: Shane's Restaurant
26.10.2009 | Autor Dirk Baranek (73) | Neueröffnung | Kommentare (3)
Kommentare (3)
Eins gleich mal vorweg: Selten so fantastisch gegessen wie in Shane's Restaurant! Und damit meine ich, es gab an absolut NICHTS auch nur das Geringste auszusetzen. Und das ist meiner Meinung nach eine Rarität - zumindest was meine eigene Erfahrung angeht.
In dem exklusiven aber lockeren Ambiente haben wir uns sofort wohlgefühlt. Der Service, österreichisch-charmant, bzw. asiatisch-zuvorkommend, konnte durch Freundlichkeit und Kompetenz absolut überzeugen.
Wie wir später erfuhren, gab es wohl zu Anfang katastrophale Probleme was das Servicepersonal anging, jedoch nicht aus Eigenverschuldung, sondern aufgrund dessen, dass dieses vom Hotel zur Verfügung gestellt wurde - blutigste Anfänger und Azubis, die wohl selbst nicht wussten, wie ihnen geschah.
Daran wurde gearbeitet, und wird von uns hiermit als Anfängepech abgehakt.
Wir entschieden uns spontan für das 3-Gänge-Überraschungsmenü für 38,-. Der Avocadotartar auf Limetten-Perlgraupen in Zitronengrasschaum war cremig und hatte doch Biss, und wurde durch die frische, zitronige Note des Schaums fein abgerundet.
Absolut begeistert waren wir dann auch vom Sorbet von Hagebutte, Granatapfel,
Piment und Tabasco, das nahezu perfekt abgeschmeckt war. Jede Zutat war herauszuschmecken - was ja allzuoft nicht der Fall ist.
Doch das absolute Highlight bildete der Hauptgang: Hirschkalbsrücken unter der
Gewürzkruste auf lila Kartoffelgnocchi mit Tonkabohne und Vanille. Das Fleisch war so zart, dass es (wenn's auch wie ein Klischee klingt) wirklich auf der Zunge zerging. Die gesamte Kombination machte uns bis zum letzten Bissen sprachlos - und das will was heißen.
Und der perfekte Abschluss dieses Festmahls: Mousse von der Passionsfrucht mit
Ingwer-Sauerrahmeis. Sehr fein in Geschmack und Konsistenz, und auch hier wieder: jede Zutat war herausschmeckbar. Selbst mein Partner, seines Zeichens Patissier und sonst immer der Finder des winzigsten Haars in der Suppe, fand nicht den kleinsten Kritikpunkt.
Die Weine - zunächst ein Cuvée "Shiro" von Martin Pasler, zum Hauptgang ein Zweigelt desselben Winzers - waren wunderbar, rund und kräftig im Geschmack.
Abschließend bleibt mir nur zu sagen: Wir verließen das Restaurant mit einem seeligen Lächeln auf den Lippen und kommen garantiert wieder.
Es gibt kaum einen gastronomischen Betrieb, in dem von Anfang an alles rund läuft. Die wahre Herausforderung besteht darin, eventuelle anfänglichen Probleme schleunigst aus der Welt zu schaffen, was hier mit Bravour gelungen ist. Ein Zeichen wahrer Qualität.
Wer also - für uns nur schwer vorstellbar - hier enttäuscht wurde, sollte Shane's Restaurant auf jeden Fall eine zweite Chance geben - alles andere wäre unfair und vor allem: Der hat was verpasst.





