In den Topf geschaut: Familie Clarizia im "Al Teatro"

13.09.2008 | Autor DerGaumenkitzler (75) | Allgemein | Kommentare (4)

stipp-1.jpgTortellini alla Panna, Spaghetti Bolognese, Pizza Spezial und Lasagne - Sie kennen diese Gerichte? Kein Wunder, da sie auf nahezu allen Pizzeriaspeisekarten dieser Republik stehen. Sucht man wirklich authentische Cucina Italiana auf einem Preisniveau, das nicht so abgehoben ist wie das manch vermeintlicher Nobelitaliener in Großstädten gerne offeriert, so wird die kulinarische Luft schnell dünn. In Aschaffenburg haben wir eine kleine Trattoria gefunden, die gegen den Sahnesoßen-Mainstream der "Pizzabäcker" anschwimmt. al-teatro.jpg Guiseppe Clarizia vom "Al Teatro" ist nicht nur Italiener aus Apulien, er ist auch ein Bub von der Straß´, wie er sich selbst gerne bezeichnet. Seit 45 Jahren in Deutschland, hat er früh angefangen zu arbeiten, um die Familie zu unterstützen. In all den Jahren hat er zahlreiche Erfahrungen als Gastronom gesammelt. Erlebnisse, die ausreichen würden, ein Buch zu schreiben. Seine Frau Lucia hatte in ihrer Heimat Sardinien in verschiedenen Restaurants an der berühmten Costa Smeralda gekocht, bevor sie über Sindelfingen, Tübingen, Frankfurt und Seligenstadt  nun im fränkischen Aschaffenburg gelandet ist. Hier kocht sie die einfachen aber originalen Gerichte - vor allem aus Sardinien und Apulien, während ihr Mann den Service übernimmt. luciapino.jpg "Der Traum meiner Frau war immer eine kleine Trattoria, so wie man sie in Italien kennt." sagt Clarizia. Eine kleine aber feine Speisenauswahl und immer ein paar wechselnde Gerichte auf der Tafel sind das Rezept zur Umsetzung dieses Traumes, den die beiden seit knapp zwei Jahren zu realisieren versuchen. theke.jpginnenraum.jpg Wer in die Altstadt zum Essen geht, sucht oftmals Pizza oder Schnitzel mit Pommes. Gerichte, die man im Al Teatro nicht anbietet. Der Grund liegt auf der Hand: "vieles, was in Pizzerien an Gerichten angeboten wird, ist noch immer das, was manche meiner Landsleute seit über dreißig Jahren als italienische Küche verkaufen. Gerichte, die man in ihrer Heimat so aber gar nicht kennt oder nicht so zubereitet." weiß der Wirt zu berichten. Deshalb gibt es in dieser Trattoria die ursprüngliche Küche, die zuhause die Nonna für ihre Enkel und die Mamma für ihre Kinder kocht. Einfach, schmackhaft und manchmal auch raffiniert. Wenn Lucia in der Küche steht, dann macht sie ihre Arbeit mit Leidenschaft. "Kochen hat auch etwas mit Herz zu tun." sagt sie, bevor sie wieder in ihr Reich verschwindet, um nach ihrer Tomatensoße zu schauen, die seit knapp drei Stunden auf dem Herd steht und an Menge verliert - dafür an Geschmack gewinnt. Wenn sie fertig ist, wird sie kaum noch Säure aufweisen und die Basis für weitere Rezepturen darstellen. tomate.jpg Hier wird alles à la minute zubereitet. Weder Fertiggerichte noch Soßen zum Anrühren finden in Lucias Küche Verwendung. Die sonst so gerne in italienischen Ristorante benutzte Sahne wird im Al Teatro sparsamst dosiert - eigentlich kommt sie kaum vor. Stattdessen erwarten den Gast Vitello Tonnato (Kalbfleisch mit Thunfischsoße), Tagliatelle mit Rinderragout (kein Hackfleisch!), Ravioli in Safransoße, zartes Rumpsteak an Balsamicocreme oder Seeteufel alla Livornese (in einer Tomaten-Kapernsoße mit vielen frischen Kräutern). Abgerundet wird das Angebot durch ständig wechselnde Desserts - natürlich ebenfalls hausgemacht - die es sonst kaum auf Speisekarten zu sehen gibt. Seadas ist so eine Spezialität aus Sardinien: Teigtaschen mit Ricottakäse und Orangenzesten gefüllt, gebacken und mit Honig angerichtet. Oder Semifreddo (Parfait) von Schokolade und Walnuß. vitello.jpganrichten1.jpg Viele der Nudelspezialitäten macht Lucia auch selbst. Zum Beispiel ihre Teigtaschen mit dreierlei Fleischfüllung oder diverse Gemüseravioli. "Wenn ich viel Zeit und Lust habe, mache ich auch meine Bandnudeln selbst." sagt Signora Clarizia etwas schüchtern und dabei hat sie wieder dieses Glitzern in den Augen, das einem vermittelt: hier wird noch wirklich mit Liebe gekocht und nicht nur, um schnell Gäste abzufüttern. Essen ist Genuß und dafür braucht es etwas Zeit. Zum Zubereiten und zum Verzehren. Die Stammgäste des Al Teatro wissen dies und planen gerne einen ganzen Abend ein, um sich in mehreren Gängen verwöhnen zu lassen. Leider ist diese Zeit und Muse oft das, was den Tagesbesuchern der Aschaffenburger Altstadt fehlt. Doch die Fangemeinde scheint stetig zu wachsen. Eine Dame, die vor ein paar Wochen zum ersten Mal in der Trattoria zu Gast war, brachte die Eindrücke auf den Punkt: beim Verlassen trat sie zufrieden vor das Lokal und sagte beherzt zu vorbeilaufenden Passanten: "jeder, der hier nicht reinkommt, verpasst etwas!" Die Trattoria Al Teatro ist Dienstags bis Sonntags von 11.30 bis 14.30 Uhr und ab 17.30 Uhr geöffnet. Sie liegt direkt am Theaterplatz in unmittelbarer Nähe zum Schloß und allen weiteren Altstadtsehenswürdigkeiten. Gegenüber vom Restaurant befindet sich der Eingang zur Tiefgarage. Al Teatro, Schloßgasse 3, 63739 Aschaffenburg, Tel.: 06021-5828880

Bayern

Kommentare (4)

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14.09.2008 bearbeiten
DerSilberneLoeffel

Schade, dass solche Ristorante heutzutage leider eher die Ausnahme denn die Regel sind. Schöner Bericht!

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11.01.2009 bearbeiten
marion

ausgezeichnet!!!schmackhaft!!!

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11.01.2009 bearbeiten
DerFranz

Spezialität aus Sardinien Italia Lobenswert!!

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11.01.2009 bearbeiten
DerSigfrid

schwertfisch alla livornese rosmarin kartoffel broccoli und karotten Original!! Qualitat Dessens Ausgezeichnet IST ZUEMPFHELN

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