Gaumenkitzlers Stippvisite (2): Den Kastelruther Wirten auf den Zahn gefühlt

14.12.2007 | Autor DerGaumenkitzler (75) | Allgemein | Kommentare (0)

gk_stipp_logo-4.jpgNach dem kleinen Rundgang durch den Ort im ersten Teil der Reise heißt es heute für die getesteten Restaurants: Farbe bekennen! Die Eindrücke waren vielfältig und der Gaumenkitzler veröffentlicht nun die Resultate.

Beginnen wir mit dem "Restaurant-Pizzeria Bachler" direkt im Ortskern in der Dolomitenstraße 4. Das rustikale Lokal erreicht man durch eine lange Treppe nach unten. Jedoch bleibt das befürchtete Kellerverlies aus, denn das Haus steht am Hang und man betritt die rustikal anmutende Gaststube mit dem großen, lichten Wintergarten, der einen traumhaften Blick auf den Schlern freigibt. Im Sommer lässt sich der Wintergarten zur Freiluftterrasse öffnen.

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Service:

Die sichtlich angestrengten Damen haben ihre Mühe, in der Zuordnung der Getränke und Essen. Obwohl die Bestellungsaufnahme, wie fast überall hier üblich, mit Handterminals direkt an Buffet und Küche geschickt wird und alle Tische übergroß mit Nummern versehen sind, kommt es immer wieder zu Fehlauslieferungen und vergessenen Positionen.
Die Getränke erhalten wir 30 Minuten nach Bestellung nach dem ersten Gang.

Speisen:

Der Büffelmozzarella mit Tomaten für knapp 7 Euro war in Ordnung und als Vorspeisenportion recht üppig bemessen. Dazu wurde eine regionaltypische Auswahl von Grau-, Schüttel- und Weißbroten gereicht. Die Qualität war befriedigend. Als Hauptgang bekamen wir danach Polenta mit Steinpilzen (rund 9 Euro). Das Ehepaar am Tisch, das früher bestellt hatte, wartete zu dem Zeitpunkt noch immer auf ein Hauptgericht - die Frau war bereits fertig. Die Polenta war leider sehr fad und wurde als Brei serviert - sie hätte gebacken und mit etwas Parmiggiano gewürzt besser zur Steinpilzsoße gepasst, welche leider nach gekörnter Brühe schmeckte und mehr Pilze hätte vertragen können.

Fazit:

In der Hoffnung, dass die mangelnde Koordination des Personals ein Ausrutscher war, erwartet den Gast hier südtirolerische Küche, die sicher verbesserungswürdig aber keinesfalls schlecht gemacht ist. Eine Auswahl an Pizzen rundet das Angebot ab. Der traumhafte Ausblick auf den Kastelruther Hausberg ist beeindruckend.

Der nächste Halt findet beim Turmwirt statt - ein Hotel mit Gasthaus und schönem Biergarten direkt am Kirchplatz, unterhalb des Kalfarienberges. Der große Gastraum vor der Theke ist eher nüchtern und ungemütlich hell erleuchtet, aber es gibt ein uriges, in dunklem Holz getäfeltes Nebenzimmer, in dem die Tische bereits in weiß eingedeckt sind. Der Raum macht einen recht behaglichen und rustikal-feinen Eindruck.

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Service:

Der freundliche Kellner ist gleich zur Stelle, berät in Sachen Tagesangebote und Wein und bringt recht schnell die bestellte Flasche Chardonnay im Kühler - leider etwas zu warm, was sich aber mittels Zugabe von etwas Speisesalz ins Eiswasser innerhalb von 15 Minuten von selbst reguliert. Seine Assistentin - vermutlich Auszubildende - stolziert indessen erhobenen Hauptes durch den Raum, bedrängt sämtliche Gäste permanent mit dem Angebot nachzuschenken und tut dies auch, während sie in der einen Hand einen Stapel abgeräumter Teller balanciert. Hier wäre etwas mehr Feingefühl und die Notwendigkeit des Nachbesserns seitens des Ausbilders sehr von Vorteil.

Speisen:

Die Vorspeise war ein mehr als gelungener Auftakt und setzte die Erwartungen an den weiteren Verlauf sehr hoch: Die Bandnudeln mit Wildragout waren vorzüglich und sehr raffiniert mit Thymian und Rosmarin gewürzt, ohne jedoch aufdringlich zu wirken. Die Ravioli an Paprikaschaum mit Mozarella standen dem in keinster Weise nach. Als Hauptgericht wurden Lammfilet und Schweinelende serviert. Das Fleisch wurde sehr gut auf den Punkt gebraten, die Rosmarinkartoffeln waren schmackhaft. Aber: die Verwendung von Tiefkühlgemüse anstatt auf saisonelle Frischware zurückzugreifen kann nur als Frevel bezeichnet werden und schmälerte den bisherigen Eindruck von der Qualität gewaltig. Zu erwähnen sei, dass es hierzulande noch üblich ist ein Salatbüffet anzubieten - ein Relikt, das in der deutschen Gastronomie der 90er Jahre seine besten Tage erlebt hatte. Die Auswahl war überschaubar aber in ansprechendem und knackfrischen Zustand - entgegen dem Tellergemüse. Versöhnlich stimmte danach allerdings das Dessert, mit dem die Küche bewies, wie gut man ein einfaches Tiramisu und ein Schokoladenmousse zubereiten kann. Nämlich nahezu perfekt.

Fazit:

Die Störfaktoren beim Turmwirt waren das nervige Lehrmädchen und das TK-Gemüse zum Hauptgang. Ansonsten waren die Leistungen durchaus gut bis sehr gut und ein Preis von ca. 100 Euro für drei Gänge, Wein, Wasser und Kaffee für zwei Personen noch in Ordnung. Den Turmwirt kann man durchaus weiterempfehlen.

Im dritten Teil lesen Sie die Tests von zwei weiteren Restaurants in Kastelruth und erfahren noch weitere Ausgehtipps. Bleiben Sie in den nächsten Tagen am kulinarischen Ball!

Text & Fotos: Der Gaumenkitzler

Bayern