Lese ich richtig? € 490.- für zwei Personen und einen missglückten Abend? Schande über das Tantris. Solch mieses Benehmen des Service hätte es weder unter Witzigmann noch Winkler gegeben. Ein Verfall der Sitten, der seinesgleichen sucht. Das Geld wäre bei A. Schuhbeck oder deresgleichen doppelt besser angelegt gewesen!
Tantris
Tempel der Tafelfreuden
Johann-Fichte-Str. 7
80805 München
| Tel | 089 3619590 |
| Fax | 089 36195922 |
Gesamtbewertung:
28.07.2010 | von Miss_K (1)
Rezension
Unser Besuch im Tantris zu unserem dritten Hochzeitstag
Zuerst einmal möchte ich sagen, dass wir bisher zum dritten Mal in einem Sterne Restaurant essen waren und es dafür auch immer einen besonderen Anlass gegeben hat und es für uns nicht normal ist, in so teuren Restaurants essen zu gehen. Zu unserem letztjährigen Hochzeitstag waren wir im Königshof und zu meinem letzten Geburtstag bei Alfons Schuhbeck.
Dass wir in diesem Jahr zum Hochzeitstag ins Tantris gehen, stand eigentlich schon direkt nach dem Besuch bei Herrn Schuhbeck im November letzten Jahres fest. Das Tantris sollte nochmal eine Steigerung zu Schuhbeck sein – was aber leider nicht geklappt hat.
Mein Mann hat also den Tisch online für den 23.07. abends 19:30 Uhr reserviert und anschließend nochmal persönlich angerufen um bekannt zu geben, dass wir einen besonderen Tag feiern. Es wurde ihm dann prompt versprochen, den Tisch besonders schön zu schmücken und zu dekorieren. Soweit so gut.
Am 23.07. kamen wir mit dem Auto auf dem hauseigenen Parkplatz um kurz vor halb acht an. Es regnete. Mein Mann klappte vor der Drehtür noch den Schirm zu und kam dann zu mir in das Drehtürabteil, das von einer jungen Dame von innen in Schwung gebracht wurde. Da ich nicht wusste, ob es sich um eine elektronische Tür handelt, bei der man nicht selbst drücken darf, habe ich nicht nachgedrückt, als der Schwung nachließ und wir somit in der Drehtür fast zum Stehen kamen. Irgendjemand hat dann wohl doch noch ein bisschen mitgeholfen, sodass wir es schließlich doch noch ins Innere des Restaurants geschafft haben.
Dort empfingen uns dann drei Personen – die junge „Türdrehdame“, unser Kellner und der Chef-„Begrüßer“ Rakhshan Zhouleh , der gleich ein paar – in meinen Augen – blöde und unpassende Sprüche in Bezug auf das Drehtürmissgeschick losließ (ungefähr so: Bei uns gibt es 8 Gänge, wenn Sie nach Hause gehen, gehen Sie dann hier durch die normale Türe, die ist extra breit, da gibt es dann keine Probleme.). Was ich auch jetzt im Nachhinein noch als Unverschämtheit empfinde, denn wenn mein Mann und ich nicht durch diese Drehtür passen sollen, weiß ich nicht, wer dort überhaupt durchpassen soll. Ich bin 180 cm und wiege 65 kg, mein Mann 178 cm und wiegt 71 kg. Naja.
Ok, wir haben den Regenschirm an der Garderobe abgegeben und eine Abholnummer dafür bekommen. Sowas, dachte ich, gibt es nur in der Disko oder im Theater, aber im Sterne Restaurant sollte die Belegschaft schon so weit organisiert sein, dass sich der Gast nicht auch noch mit einer solchen rosa Nummer beschäftigen muss.
Wir wurden dann von Rakhshan Zhouleh zu unserem Tisch geführt. Zu zweit haben sie den Beistelltisch und den Dinnertisch nach vorne gezogen, sodass ich mich ohne Probleme auf die sehr kalte und auch schon sehr abgenutzte Ledercouch setzen konnte. Mein Mann nahm neben mir auf einem Stuhl platz. Vom ersten Moment an, habe ich mich nicht wohl gefühlt. Die Couch war kalt, der Tisch war irgendwie ungünstig gelegen und die Klimaanlage war auch sehr kühl eingestellt. Dann kam unser Kellner für den Abend, der mit folgendem Spruch unsere besondere Tischdeko „aktivierte“: „So, und jetzt gibt’s noch a Kerzerl fürs Herzerl, wia ma in München so schee sagt.“ Das war die gesamte Hochzeitstags-Deko – zwei Teelichter in je einem Teelichtglas. Wirklich super.
Er fragte uns nach einem Aperitif und bot uns die Tagesempfehlung, den Saft von Erdbeeren mit Prosecco aufgegossen, an. Den nahmen wir beide dann auch.
Kurz darauf kamen die beiden Gläser und wenig später dann auch die Speisekarten. Wir wählten beide das kleine Abendmenü inkl. Weinempfehlung. Da ich allerdings keine Lust auf Himbeertarte hatte, wählte ich ein Schokoladendessert aus der Karte.
Es wurde uns ein Brotkorb und ein Butterschälchen sowie der Gruß aus der Küche gebracht. Alles okay. Ach ja, Wasser haben wir auch noch bestellt – mit Kohlensäure. Beim Gruß aus der Küche mussten mein Mann und ich gleich schon mal das Besteck teilen, da bei meinem Mann nur eine Gabel, nicht aber das Messer vorhanden war. Als die Kellnerin und der Kellner beim Abräumen auf den Tellern nach dem zweiten Messer gesucht haben, rief ich der Dame zu, dass wir nur ein Messer hatten und das zweite komplett gefehlt hat. Daraufhin lachte sie nur und erzählte es ihrem Kollegen – kein „Entschuldigung“ oder „Das tut mir leid, wird nicht wieder vorkommen“.
Für alle weiteren Gänge hatten wir dann aber ausreichend Besteck. J
Über das Essen kann ich nichts negatives sagen. Es hat alles sehr gut geschmeckt und nach den fünf Gängen war ich dann auch satt. Ich muss aber dazu sagen, dass ich immer wieder Brot mit Butter zwischendrin gegessen habe, um auch wirklich satt zu werden. Insgesamt bestimmt fünf Scheiben.
Die einzelnen Gänge kamen für mein Empfinden immer zu schnell auf den Tisch. Man hatte gar keine Zeit, sich über den vorherigen Gang bzw. den dazugehörigen Wein auszutauschen.
Über das Getränke-Nachschenken war ich entsetzt. Mein Mann hatte sein Rotweinglas 5 Minuten lang leer, meines war 2 Minuten lang leer und wurde dann von dem französischen Kellner mit einer so minimalen Menge nachgeschenkt, dass als eine andere Kellnerin vorbei kam, sie auf diesen „Weinstand“ der ja schon als nachgeschenkt gelten sollte, nochmals nachschenkte. Der französische Kellner schenkte übrigens nur bei mir nach. Das Glas von meinem Mann lies er leer. Auch das Nachschenken des Wassers klappte nicht immer. Ich war einmal kurz davor mir die Wasserflasche selbst zu nehmen und mir und meinem Mann nach zu schenken, da die Gläser leer waren.
Grundsätzlich muss ich leider sagen, dass das Personal nur lächelte, wenn vorher von dem Gast ein Lächeln kam. Alles wirkte etwas unorganisiert und hektisch. Z.B. als das Essen aus der Küche auf einem Tablett getragen wurde, waren selten sofort zwei Kellner parat, die die Gerichte servierten. Um die Kellner auf das fertige Essen aufmerksam zu machen, klopften die jungen Damen, die das Tablett mit beiden Händen rechts und links fest hielten mehrmals mit ihren Ringen an die Unterseite des Tabletts und unterstrichen die Geste auch noch mit einem ungeduldigen Kopfwackeln und genervten Blick in Richtung der Kellner.
Auch als ein Kellner gerade einem anderen Paar die Weine oder Gerichte aus der Karte erklärte, musste er die Erklärung unterbrechen, um dem ungeduldigen „Mädchen“ das Essen vom Tablett zu nehmen.
Alles in allem war ich sehr enttäuscht von diesem Abend. Das Beste, was ich bisher an Essen, Atmosphäre und Preis-/ Leistungsverhältnis erlebt habe, war bei Alfons Schuhbeck. Das schlechteste Preis-/ Leistungsverhältnis und unangenehmste Atmosphäre habe ich im Tantris erlebt.
Ach ja, der Abend ist ja noch nicht zu Ende. Zum Kaffee gab es noch kleine Pralinen, die mein Mann verspeiste, da ich nicht mehr konnte. Wir bezahlten dann (490 Euro) und gingen zum Ausgang um unseren Regenschirm abzuholen – Jacken hatten wir keine abgegeben. Dort mussten wir dann 1,5 Minuten warten und uns von allen Gästen und Mitarbeitern anstarren lassen, bis endlich ein Kellner kam um uns unseren Regenschirm zu geben. Da dieser keine Ahnung von dem Nummernvergabesystem hatte, fand er auch unseren Schirm nicht gleich, sodass mein Mann ihm bei der Suche helfen musste. Und der am Anfang ach so freundliche und lustige Rakhshan Zhouleh lehnte gemeinsam mit einem Kollegen mit dem Oberkörper auf der Bar und sah seelenruhig zu uns rüber, ohne auch nur die kleinste Anstalt zu machen, uns ordnungsgemäß zu verabschieden und eine gute Heimfahrt zu wünschen.
Der hier oft angesprochene Shuttleservice wurde uns übrigens nicht angeboten. Ich weiß nicht, was man dafür tun muss. Wahrscheinlich gilt da der Mindestumsatz von 1000 Euro...?
Fragebogen
| Besucht am | 23.07.2010 zum Abendessen |
| Anzahl der Personen | 2 Personen |
| Anlass | Hochzeitstag |
| Wie war die Begrüßung? | Nicht toll |
| Was fiel auf? | Gekünsteltestes freundlich und lustig sein wollen |
| Wurde uns ein Tisch angeboten? | reserviert |
| Gab es eine Empfehlung? | Aperitif |
| Wie war der Umfang der Speisekarte? | optimal |
| Wie war die Wartezeit auf die Getränke? | angenehme Wartezeit |
| Wie war die Wartezeit auf das Essen? | sehr kurze Wartezeit |
| Wie war die Qualität des Essens? | ausgezeichnet |
| Was wurde gegessen? | kleines Abendmenü |
| Wurde ein Dessert angeboten? | Ja, angeboten |
| War der Koch kreativ? | Normal |
| Sah das Essen gut aus? | Ja, sah schmackhaft aus |
| Wie war das Ambiente? | Ich habe mich nicht wohl gefühlt |
| Sauberkeit des Restaurants | gut gepflegt |
| Sauberkeit der Toilette | gut gepflegt |
Kommentare (3)
Mein Mann und ich waren am 13.08. noch ein zweites Mal im Tantris und über diesen Besuch kann ich folgendes berichten:
Der Zugang durch die Drehtür in das Restaurant war auch dieses Mal etwas stockend....
Wahrscheinlich muss ich beim nächsten Mal einfach in meine eigene „Kabine“ und mich nicht mit meinem Mann zusammen in eine „quetschen“. Dann sollte das Betreten des Restaurants bestimmt kein Problem mehr sein.
Abgesehen davon, war der Empfang durch Herrn Zhouleh sehr angenehm („angenehm“ ist genau das richtige und passendste Wort dafür – im positiven Sinne) und freundlich. Den Champagner und das Tartar-Tütchen haben wir sehr gerne an der Bar genossen und die ersten Minuten des Abends somit sehr schön begonnen.
Als wir dann an unserem Tisch saßen, kam sogleich unser italienischer Kellner – ich weiß leider seinen Namen nicht – und gab uns die Menükarte, danach dann die Karte mit den à la carte Gerichten. Meine Frage zu einer der Zutaten wurde äußerst freundlich und kompetent von unserem Kellner beantwortet, sodass der Bestellung nichts mehr im Wege stand.
Das Wasser wurde uns sofort gebracht, der erste Wein und das Amuse Gueule kamen nach einer sehr angenehmen Wartezeit.
Sehr gut haben mir dieses Mal auch alle Weine zu den jeweiligen Speisen gefallen. Mein Lieblingswein war der 2006er Chassagne-Montrachet „Les Champs-Gain“ von Jean-Marc Pillot – einfach köstlich zum Seeteufel!
Die Gerichte waren alle perfekt zubereitet und haben ausgezeichnet geschmeckt. Besonders beeindruckt war ich von der Ochsenschwanzessenz – wirklich sehr lecker!
Zweimal mussten wir auf unsere Weine warten bzw. bekamen diese erst von Frau Bosch präsentiert und eingeschenkt, als das Essen bereits am Tisch stand und ich das Besteck schon in der Hand hatte. Hier könnte das Timing etwas besser sein.
Was ich aber wieder positiv erwähnen möchte, ist, dass unser Kellner im Brotkorb gesehen hat, dass ich im Laufe des Abends nur das dunkle Brot gegessen habe und deshalb ein zweites Körbchen mit eben nur diesem dunklen Brot auf den Tisch gestellt hat – sehr aufmerksam.
Im Verlauf dieses Abends habe ich einen sehr professionellen, strukturierten und reibungslosen Ablauf (keinerlei hektische oder überforderte Kellner) im Restaurant wahrgenommen.
Zusammengefasst hatten wir einen wundervollen Abend im Tantris und haben uns sehr wohl gefühlt. Die Stimmung war fast schon familiär und alle Mitarbeiter freundlich, zuvorkommend und humorvoll. Einzig Frau Bosch hätte vielleicht etwas „lustiger“ bzw. lockerer sein können.
Die Heimfahrt mit dem hauseigenen Shuttleservice hat unseren Besuch im Tantris noch abgerundet.
'Warum geht man noch ein 2. Mal in ein Restaurant, welches man ach so schlimm fand???
Die Kritik klingt für mich nach "Erbsenzählerei"...
Ich war schon mehrmals im Tantris und habe jedes Mal einen wunderschönen Abend erlebt!!
Ach so, und wenn jemand es nicht schafft mal 2 Minuten (!) zu warten, sollte man vielleicht ein McDonalds-Restaurant o. ä. aufsuchen, da ist schon alles fertig und man wartet nicht unglaubliche 2 Minuten ...... ;-)
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