Kilian in Höchstform - die Kritik ist herrlich!
essBar Restaurant Bar
Gesamtbewertung:
04.06.2009 | von kilian (120)
Rezension
Nachtarock
Tobi ist seit dem 1.1.10 weg!
Daniel harrt noch aus. Pfündel hat bei ihmbereits angekopft. Ich glaube die Tandener Tage sind gezählt.
mit und ohne turnschuh’
Die Adresse Jahnstraße 10 verrät schon, dass der absolute Geheimtipp etwas mit Turnerei am Hut haben muss…
Doch der Reihe nach.
Tandern, kennt kein Mensch, liegt pampas-abseits. Nicht einfach so dahingesagt, nein wirklich. Selbst neunmalkluge, elektronische »bitte wenden, bitte wenden sie jetzt«-Quasseltanten in unseren Blechkarossen sind unter Umständen überfordert. Eigentlich ist es aber Tradition, dass man sich, um ins Paradies zu gelangen, gewaltig anstrengen muss. Sonst wird es nichts mit den gebratenen Tauben, die einem in den Mund fliegen! Auf geht’s! Ich würde Google-Map empfehlen und einen halben Liter Pfadfindergeist. Hat null Promille und läßt den Führerschein unbehelligt.
Geschafft.
Sie stehen vor dem stattlichen Sportheim des FC Tandern. Zwischen zwei Fußballfeldern eingeklemmt. Die Frage: Mein Gott, was soll ich denn hier? und das Zertrümmern des Navigationsgerätes zeigen, dass Sie von nichts eine Ahnung haben.
Leider liegt Tandern nicht in Frankreich, denn dort würden Feinesser locker fünzig Kilometer fahren, um zwischen Fußballtoren Zitronengrassuppe zu löffeln. Geil. Und den Freund und der den Freund und der den usw. Bescheid sagen von einem Restaurant mit Crossover und Tradition am kreidigen Anstoßpunkt.
Im Ludwig-Thoma-Land im Norden Dachaus, einen Steinwurf vom Kirchenkunstwerk in Altomünster entfernt, da ist alles, alles anders. Hier isst die Welt noch in Ordnung. Hier isst die Welt bestenfalls Pizza mit Eimerbelag und Nudeln mit Packerlparmesan. Hier ist niemand böse, wenn er eine halbe Stunde auf sein Trinken warten muss, weil der Stiefelsieder 'halt eine Schlaftablette ist.
Aber bitte, diese Toleranz giltet nicht für die beiden Michalke-Jungspunde Daniel (am Kochtropf) und Tobi (am SugarShaker und Servierbrettl), die da glauben, der FC T müsse mit einem viereckigen Fußball kicken, nur weil sie das Innere des Sportheimes in eine beispielhaft schicke Bude verwandelt haben. Tolle Drinks und Zitronengras. Pfui Teufl. Da nützt es überhaupt nichts, dass die Kerle einheimisch sind. Das auch noch, diese Nestbeschmutzer! Ein echter Tandener isst seinen kalten Leberäs’ bei seiner Frau. Basta! Den kriegt die auch immer gleich gut hin. Wirklich. Zum Pfündl in Niederdorf rennen sie in Scharen. O.k. der kocht oft recht anständig, aber es macht doch auch mal Spaß, zwei so einfallsreiche Burschen großzuziehen, und dann damit anzugeben, nach dem Motto: Mir san a wer!
Nein, nicht ums Verrecken. Da kassiert der Verein lieber noch den Löwenanteil an der Sauferei, damit die ja keinen Fuß auf den (schein)heiligen Rasen kriegen. Das grenzt schon fast an ein Ludwig-Thoma-Stückl mit dem Titel:
Moritat vom Elend am Elfer
Natürlich habe ich auch gegessen, schön blöd’ wär ich gewesen, wenn nicht.
Ich saß auf der Terasse in der untergehenden Abendsonne, junge Kornfelder im glitzernden Gegenlicht, am Tisch Rentner und Ex-Maurer Karl, aus dem Ort. Vor mir Tradition in witziger Variante, abgeschmolzene Brez’nscheiben mit Zwiebeln in einer Tafelspitzbrühe (2,90 €). Der Laugengeschmack liefert den Kick dieser Köstlichkeit. Daniel will nach meinem Gemecker in Zukunft die Breznstücke noch härter altern lassen, damit sie nicht mehr batzig den sonst perfekten Eindruck schmälern. Mustergültig der Beilagensalat zum Sauerbraten mit Butterspätzle und kleinem gemischtem Salat (11,80 €), knackig, different, gute Salatsoße, vielleicht einen Ticker mehr Süße. Das aber ist Geschmacksache.
Richtig Kritik übe ich am stylischen Besteck. Wertvoll, mit einem stehenden Messer, o.k., und einer kurzen Gabel, die sich kurz urigellergebogen in die Handfläche bohrt, nicht o.k.. Gag um des Gags willen! Die Spätzle eiergelb und knopfig, die Soße bayrische ohne Rosinen, das Fleisch reichlich, es war der leckere Rest vom Schützenfest, bissig bis mürbe, sauber pariert.
Zum Sauerbraten gibt es bei mir ein Referenzgericht im Schloß Hallburg in Volkach mit der Note 1. Daniel schaffte immerhin 2. Noch eine Vorgabe, dieses Mahl von Helmut Breitenlohner: karamellisierter Kaiserschmarrn Mandeln, Rosinen und Apfelmus (5,80 €) mit Apfelmus und Preiselbeeren. Gleiche Wertung wie beim Hauptgang.
Es folgt, gerade hier besonders wichtig, ein Fazit:
Ihr Feinesser von Pfaffenhofen, Aichach und Dachau vereinigt Euch, zieht keine Turnschuhe an und fresst dem Daniel und Tobi die Haare vom Kopf. Damit die nicht eines unschönen Tages mit wallenden Mähnen auf und davon sind!
Daten www.essbar-tandern.de 86567 Tandern, tel: 08250-927685, eMail: restaurant@essbar-tander.de Montag zu, mittags auch, außer am Wochenende mehr in meinem Blog: www.guat-essen.de/wpblog
Fragebogen
| Besucht am | 03.06.2009 zum Abendessen |
| Anzahl der Personen | 1 Person |
| Anlass | Test |
| Wie war die Begrüßung? | Keine |
| Wurde uns ein Tisch angeboten? | war nicht nötig |
| Gab es eine Empfehlung? | Keine Empfehlungen vom Haus |
| Wie war der Umfang der Speisekarte? | optimal |
| Wie war die Wartezeit auf die Getränke? | sehr kurze Wartezeit |
| Wie war die Wartezeit auf das Essen? | okay |
| Wie war die Qualität des Essens? | ausgezeichnet |
| Was wurde gegessen? | Vorspeise oder Suppe, Hauptgang, Nachspeise, Suppe, Sauerbraten, Kaiserschmarrn |
| Waren die Zutaten frisch? | Ja, waren frisch |
| Wurde ein Dessert angeboten? | Ja, angeboten |
| War der Koch kreativ? | Ja, war kreativ |
| Sah das Essen gut aus? | Ja, sah schmackhaft aus |
| Wie war das Ambiente? | Die Atmosphäre war gut |
| Sauberkeit des Restaurants | gut gepflegt |
| Sauberkeit der Toilette | gut gepflegt |
Kommentare (5)
Vielen Dank für die ausführliche, sehr kurzweilige und in sich stimmig geschriebene Kritik! Zudem ein guter Hinweis auf ein nettes Speiselokal im Dachauer Hinterland. Da werde ich doch mal bei Gelegenheit vorbei schauen!
Ich befürchte, dass die demnächst dicht machen. Ergo nur nach Anruf hinfahren!
Vielleicht kann ich heute (07.01.12) mal hinfahren ...
Statistik
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